Bernd ist tot

Bernd Isert

Bernd Isert ist ganz plötzlich verstorben

Zuerst habe ich das schwarzweiß Foto gesehen und noch gedacht: „Da hat sich aber jemand vergriffen. Das sieht ja aus, als wäre er gestorben.“ Leider hatte sich da niemand vergriffen. Mein lieber Kollege Bernd Isert ist tatsächlich plötzlich verstorben.

Bernd und ich kannten uns nicht besonders gut. Wir haben einmal ein Wochenende zusammen gearbeitet und sind uns dann immer mal wieder auf Kongressen begegnet. Aber wir mochten uns. Ich habe seine etwas chaotische, warmherzige, neugierige, weltoffene Art sehr geschätzt.

Und das erinnert mich daran …

Aber nicht deshalb habe ich alles, was ich schon angefangen hatte, auf Halde gelegt, um heute darüber zu schreiben, dass Bernd plötzlich gestorben ist.

Bernd Isert war der Gründer von Metaforum International, das er seit 30 Jahren leitete. Und mit diesem Metaforum hat er, neben anderen großen Veranstaltungen, Jahr für Jahr das große Sommercamp in Abano Italien veranstaltet, ein methodenübergreifendes Weiterbildungsevent. Hier brachte er Menschen zusammen, die sich für Coaching, systemische Beratung, NLP, Aufstellungsarbeit und angrenzende Disziplinen interessierten. Ein Riesenevent in einem alten Kloster.

Seit vielen Jahren schon liebäugle ich damit, dort endlich auch einmal hinzufahren und die Atmosphäre des Klosters und die Energie dieses Events mitzuerleben.

Wenn du morgen sterben würdest …

Ich bin ja kein Fan der Fragestellung: „Wenn du morgen sterben würdest, würdest du dann das, was du heute tust, auch tun?“ Ganz ehrlich: wenn ich morgen sterben würde, würde ich mich heute ganz sicher nicht mit Marketing beschäftigen. Aber wenn ich heute kein Marketing mache, kann ich übermorgen nicht die Trainings halten, die mir Spaß machen und die mich begeistern. Wenn ich morgen sterben würde, würde ich heute kein Geld zurücklegen für die Altersvorsorge. Aber das Risiko besteht, dass ich nicht morgen sterbe. Ihr seht schon – nicht meine Fragestellung.

Was schiebst du vor dir her?

Aber die Fragestellung: „Was schiebst du vor dir her, weil es scheinbar noch nicht dran ist?“ Die bewegt mich. Immer wieder. Und erinnert mich an meine Löffelliste.

Den Begriff Löffelliste habe ich bei Stephan Landsiedel kennengelernt. Inspiriert ist er von dem Film „Das Beste kommt zum Schluss (Originaltitel „The bucket list“). Was möchtest du in deinem Leben noch tun, bevor du den Löffel abgibst?

Die Löffelliste

Oft wird die Liste mit der Idee verbreitet, 100 Dinge (mehr oder minder verrückt) festzuhalten, die du in diesem Leben noch tun möchtest. Erst einmal unzensiert aufschreiben, sich nicht gleich selbst ausbremsen mit einem „geht ja sowieso nicht“. Und dann die Punkte auf der Liste Schritt für Schritt angehen. Um sich so selbst zu beweisen, dass mehr geht, als wir im ersten Moment denken. Und dadurch Schwung und vielleicht auch etwas mehr Abenteuer ins eigene Leben zu bringen.

Auf meiner Liste stand …

Auf meiner Liste stand zum Beispiel, dass ich gern mal öffentlich singen möchte. Jetzt muss man dazu sagen, dass ich überhaupt nicht singen konnte. Als Teenie hat mein damaliger Freund mich sogar gebeten, doch bitte nicht zu singen – der arme Kerl war Musiker. Inzwischen habe ich auf einem großen Gartenfest im Rahmen von einem Quiz erfolgreich ein Solo geschmettert und mich sogar getraut, auf einem Kongress in der Vorstellungsrunde zu den Vorträgen zu singen (danach war ich dann allerdings so aufgeregt, dass meine kleine Ansprache sehr atemlos war).

Das werde ich nicht mehr erleben

Warum ich jetzt darauf komme? Auf meiner Löffelliste steht seit Jahren das Sommercamp in Abano. Mit Bernd werde ich es nun nicht mehr erleben. Das stimmt mich heute sehr nachdenklich und traurig. Tröstlich stimmt mich nur der Gedanke, dass Bernd – zumindest aus meiner Perspektive – sein Leben nach seinen Vorstellungen gestaltet hat und weltweit Spuren seines Wirkens hinterlässt. Danke dafür Bernd. Du wirst mir fehlen.

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2 Antworten

  1. Katrin sagt:

    Liebe Ingrid, Danke Dir für den Artikel und das Gedenken an Bernd. Ich hatte das große Glück ihn auch kennengelernt und ein Seminar bei ihm gemacht zu haben. Und ja – ich war auch in Abano dabei! Als ich gestern von seinem Tod erfahren habe, war ich auch ganz traurig und gleichzeitig froh, dass ich diesen besonderen Mann kennenlernen durfte.

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