Dem Perfektionismus an den Kragen

paretoprinzip

Pareto und der Staubsauger – dem Perfektionismus an den Kragen

In allen meine Coachings und Trainings begegnet er mir irgendwann – der mehr oder minder kleine Perfektionist in uns. Ich habe ja nichts dagegen, dass Menschen ihr Bestes geben – ganz im Gegenteil. Denn, wenn wir unser Bestes gegeben haben, dann sind wir in der Regel stolz auf uns. Selbst wenn vielleicht das Ergebnis dann doch nicht ganz das gewünschte ist.

Das Problem mit dem Perfektionismus beginnt dann, wenn wir uns dadurch selbst im Weg stehen. Entweder weil wir vorsichtshalber gar nicht erst starten, weil wir unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden können oder weil wir uns ständig verpuzzeln, weil wir denken, dass unser Ergebnis noch nicht zu 100 Prozent perfekt ist.

Das Pareto-Prinzip

Im klassischen Zeitmanagement ist das bevorzugte Modell gegen zu viel Perfektionismus das Pareto-Prinzip, benannt nach Vilfredo Pareto, der um 1906 die Vermögensverteilung in Italien erforschte und feststellte, dass damals rund 20 % der Bevölkerung 80% des Vermögens besaßen. Inzwischen hat sich diese Verteilung im Bereich der Weltbevölkerung deutlich Richtung 95 zu 5 oder noch schlimmer entwickelt.

Effizient handeln

Für den Alltag aber lässt sich die Grundidee der Regel nach wie vor nutzen, um die eigene Effizienz zu steigern, also das Verhältnis von Aufwand und Nutzen zum Ergebnis. Wenn ich meine Wohnung staubsauge, dann beseitige ich in relativ kurzer Zeit den Großteil des Schmutzes auf dem Großteil der Fläche, also in 20% der Zeit 80% des Schmutzes. Will ich aber jeden Winkel erreichen und jedes Staubkorn beseitigen, brauche ich nochmal sehr viel mehr Zeit für sehr viel weniger Ergebnis. Was jetzt nicht heißt, dass ich gar nicht mehr gründlich staubsauge, aber eben nicht jedes Mal. Das wäre ineffizient, weil ich viel zu viel Energie für viel zu wenig Dreck verwenden würde.

Die Verhältnismäßigkeit überprüfen

Ein anderes klassische Beispiel aus der Wirtschaft besagt, dass die meisten Unternehmen mit 20% ihrer Produkte 80% ihres Umsatzes machen. Was jetzt nicht heißt, dass sie die anderen 80% ihrer Ware grundsätzlich einfach abschaffen können. Aber es ist wichtig, sich bewusst zu machen, wofür ich meine Energie aufwende und ob die Verhältnismäßigkeit stimmt.

Ich hatte vor kurzem eine Frau im Coaching, die sehr wenig Zeit hat und zu deren Aufgaben viel Recherchearbeit gehört. Da lohnt es sich natürlich sehr, zu überprüfen, ob das Ergebnis, das ich für detaillierte Recherchen aufwende, im Verhältnis steht, zu weniger detaillierten Recherchen, die deutlich weniger Zeit fressen.

Das Minimax-Prinzip

Selbst wenn ich 100% brauche, lohnt es sich zu überprüfen, wie viel sinnvollen Aufwand ich dafür betreiben muss. Wenn ich Wasser kochen will, dann reichen 100 Grad, wenn ich die Temperatur auf 120 Grad oder 200 Grad erhöhe, dann verdampft es nur schneller. Und oft habe ich das Gefühl, dass wir uns selbst verheizen, indem wir 120 Grad anstreben, die gar nichts bringen. Wenn ich 100% mit möglichst wenig Aufwand erreichen will, dann spricht man nicht mehr von Pareto, sondern vom Minimax-Prinzip: minimaler Aufwand bei maximalem Ergebnis.

Alte Muster

Manche Menschen legen gar nicht erst los, weil ihr Anspruch an sich selbst oder die eigenen Ergebnisse bei 120 oder 200% liegt. Ich habe mehrere Freunde und Bekannte, die ihr Studium nicht beendet haben, weil sie an den eigenen Ansprüchen gescheitert sind. Oder vorsichtshalber lieber kleine Brötchen backen und Jobs machen, bei denen sie auf keinen Fall an ihre Grenzen stoßen können.

Da helfen dann weder Pareto noch Minimax. Dahinter steckt oft ein früh erlerntes ausgeprägtes Leistungsmotiv. Und um das aufzulösen braucht es mehr als ein paar kognitiv nachvollziehbare Tipps. Ich arbeite in solchen Fällen gern damit, auslösende Erlebnisse zu erinnern und mit den Ressourcen anzureichern, die damals nicht verfügbar waren. Das klingt für Menschen, die so noch nicht gearbeitet haben, meist ziemlich verrückt. Aber einer meiner Wahlsprüche ist halt: Hauptsache es funktioniert. Und das tut es. Oft zur großen Verblüffung der Gecoachten.

 Die Autorin: Ingrid Huttary, Entscheidungs- und Dranbleibcoach ingrid-rund

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2 Antworten

  1. Merve sagt:

    Hallo Ingrid,

    super! Pareto kenne ich schon lange. Dass wir uns selbst verheizen, weil wir 120 oder gar 200 Grad (Prozent) von uns erwarten, werde ich mir merken! Mein Aha-Erlebnis des Morgens, vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße, Merve

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