Fake it till you make it

Newton Pendel - tu so als ob

Fake it till you make it

Vor ein paar Tagen habe ich bei einem Kollegen wieder einmal etwas zum Thema Einstellungen gelesen. Unsere Einstellungen haben einen sehr großen Einfluss auf unser Leben. Sie lenken unsere Wahrnehmung und bestimmen damit einen Teil unserer Wirklichkeit (siehe dazu auch „Die Tücken der Wahrnehmung“). Und sie beeinflussen, was wir tun und was wir lassen. Henry Ford prägte den schlauen Spruch: „Ob du glaubst, dass du etwas kannst oder ob du glaubst, du kannst es nicht. Du hast immer Recht.“ Denn, wenn ich denke, ich kann es nicht, werde ich es gar nicht erst versuchen.

Tu so als ob

Der kürzeste Weg, um meine Einstellung zu etwas zu verändern, ist der, einfach so zu tun, als ob ich bereits anders denken würde und einfach so zu tun, als ob es für mich selbstverständlich wäre, anders zu handeln. Zugegeben, es braucht sicher manchmal ein kleines bisschen Mut oder einen kleinen inneren Schubs. Aber hey, die Wirkung ist es einfach wert. Denn, wenn ich einfach mal so tue, als würde mir der Großeinkauf zum Fest Spaß machen und lächelnd und gelassen durchs Gewusel gehe, erschließen sich mir vielleicht andere Welten. (Ich habe gerade mit meinem Mann ein großes Fest veranstaltet und fleißig „tu so als ob“ beim Einkaufen geübt.

Vielleicht kennst du schon mein eigenes Beispiel aus meinem Buch „Wir können auch anders“:

Selbstsicher statt schüchtern

Als ich meinen Mann kennenlernte, bin ich mit ihm auf seine Ferieninsel in seinen Ferienort gefahren, wo er sich sein Ferienhaus gebaut hatte. Er kannte dort jeden, ich niemanden. Früher hätte ich mich wahrscheinlich lange geweigert, überhaupt mitzufahren, weil ich es hasste, die „Neue“ zu sein, vorgestellt zu werden, ständig dabei zu stehen, wenn alle sich schon kennen und freudig begrüßen. Um mich diesmal nicht so unwohl zu fühlen, habe ich beschlossen, meine Schüchternheit dieses eine Mal an den Nagel zu hängen und so zu tun, als sei ich eine selbstsichere, aufgeschlossene, ohne weiteres auf Menschen zu gehende Frau. Ich habe alle Menschen, die ich kennenlernte freudig begrüßt, bin auf mir wildfremde Menschen zugegangen, habe so getan, als sei das für mich das Selbstverständlichste von der Welt und als fühlte ich mich pudelwohl dabei. Es war eine faszinierende Erfahrung. Nur weil ich beschlossen hatte, anders zu sein, war ich anders. Und indem ich mich so verhielt, hielten mich alle für unkompliziert, aufgeschlossen und fanden mich alle sympathisch. Und indem ich so tat, als fühlte ich mich pudelwohl, in dieser Situation, die ich früher als Spießrutenlaufen empfunden hätte, geschah das Wunder: ich fühlte mich tatsächlich pudelwohl, wie ein Fisch im Wasser. Indem ich so tat, als würde ich schon immer dazu gehören, gehörte ich binnen kürzester Zeit dazu.

Wähl dir ein Vorbild

Vielleicht denkst du jetzt: Das ist doch Quatsch. Wenn das so einfach wäre. Glaub mir kein Wort. Aber: probier es aus. Fang mit kleinen Aktivitäten an, die du nicht so magst, wie bei mir der weiter oben erwähnte Großeinkauf. Tu einfach mal so, als würde dir das Spaß machen. Oder tu so als ob du das Gespräch auf dem Sommerfest mit Oma Erna spannend fändest. Und wenn du dir überhaupt nicht vorstellen kannst, wie es möglich sein soll, so zu tun, als fändest du die Geschichten von Oma Erna spannend, dann kann es helfen, wenn du dir vorstellst, du wärst so wie deine Freundin Marion, die lächelnd und voller Wohlwollen geduldig lauscht. Wen kennst du, der genau das Verhalten, das du gut brauchen kannst, beherrscht? Und dann tu so, als ob du das genauso gut könntest.

Also: Ganz viel Spaß beim Experimentieren mit neuen Verhaltensweisen im Als-ob-Modus. Oft zieht so ein kleiner Schritt, viele weitere Veränderungen nach sich.

 Die Autorin: Ingrid Huttary, NLP-Lehrtrainerin und NLP-Lehrcoachingrid-rund
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