Fehler vermeiden ist dumm

Fehler vermeiden

Fehler vermeiden ist dumm

In den meisten Kontexten, egal ob in der Schule, im Studium oder im Beruf liegt der Fokus mehr auf Fehlern und auf der Vermeidung von Fehlern als auf dem, was gut läuft. Im Grunde ist das eine sehr teure Art zu denken. Denn wer ständig damit beschäftigt ist, Fehler zu suchen oder zu vermeiden, der reduziert seine Offenheit für Neues und schafft ein Klima der Angst.

Angst verhindert Kreativität

Schüler, die Angst haben müssen, für falsche Antworten ausgelacht zu werden oder schlechte Noten zu kassieren, werden sich seltener zu Wort melden und vorsichtshalber eigene, kreative Gedanken für sich behalten. Mitarbeiter, die sehr perfektionistische Chefs haben, denen es niemand Recht machen kann, trauen sich mit der Zeit kaum noch, eigene Ideen zu entwickeln.

Angst lässt mich im Vertrauten verharren

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit deutlich größer, dass ich Fehler mache und nicht gleich alles auf Anhieb reibungslos hinbekomme, wenn ich etwas Neues anfange oder ausprobiere. Mir fehlt ja noch die Erfahrung. Insofern ist es naheliegend, dass ich lieber in meiner Komfortzone bleibe und das mache, was ich gut kann, wenn ich große Angst davor habe, etwas falsch zu machen. Für Innovation und Weiterentwicklung ist das natürlich eher kontraproduktiv.

Schuldige suchen statt Verantwortung übernehmen

Wenn ich sehr auf Fehler fokussiere, dann geht das oft auch damit einher, dass ich möglichst nicht schuld sein möchte. Und dann lieber die Schuld bei anderen suche. Wer jedoch ständig nur die Schuld bei anderen sucht – und natürlich auch findet 😉 – der nimmt sich selbst die Chance, die Verantwortung zu übernehmen. Aber nur, wenn ich die Verantwortung für das, was mir geschieht, übernehme, habe ich das Heft des Handelns in der Hand.

Fehler als Lernchance

Im NLP Umfeld werden Fehler gern als Lernchancen oder auch gleich als Lernschritte bezeichnet. Das klingt zwar für manch einen etwas künstlich oder bemüht, doch die Vorteile dieser Sichtweise liegen auf der Hand: Wenn etwas schief läuft, ist das meine Chance, daraus zu lernen. Und die schmerzhaftesten Fehler sind oft die nachhaltigsten Lernschritte. Natürlich nur, wenn ich sie auch als Lernschritte begreife und auf der Basis der gemachten Erfahrung mein Verhalten ändere.

Eine Investition in die Zukunft

Eine wunderbare Anekdote zu dem Thema wird Henry Ford nachgesagt. Ich weiß nicht, ob es sich tatsächlich so zugetragen hat. Das finde ich aber letztlich auch nicht wichtig. Als Metapher für einen kreativen und Mut machenden Umgang mit Fehlern ist die Geschichte auf jeden Fall großartig:

„Ein junger und talentierter Mitarbeiter hatte durch einen Managementfehler einige hunderttausend Dollar in den Sand gesetzt und musste nun vor Henry Ford Rechenschaft ablegen. Er fürchtete sehr, dass er nun entlassen würde und sagte: „Es tut mir furchtbar leid. Sie werden mir jetzt sicher kündigen.“ Zu seiner Überraschung antwortete Henry Ford hingegen: „Machen Sie Witze? Ich habe gerade mehrere hunderttausend Dollar in ihre Ausbildung investiert. Ich bin mir sicher, dass sich diese Investition auszahlen wird.“

Tests im Vorfeld

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir geht es nicht darum, dass du leichtfertig Dinge angehst, ohne „Sinn und Verstand“ und ohne Vorbereitung und dann jede Menge vermeidbare Fehler machst. Ich habe letztens zum ersten Mal ein Live-Video auf Facebook gemacht. Ich wollte eine Präsentation teilen und hatte die Tücken der Technik unterschätzt. Ohne Zusatzprogramm kann ich nicht zwischen der Präsentation und dem Video, in dem ich zu sehen bin, hin- und herschalten. Jetzt weiß ich es und habe wieder einen Lernschritt absolviert. Ein kleiner Test vorher – den ich gescheut hatte, weil ich ja dafür hätte live gehen müssen – hätte mir das „böse Erwachen“ bei der Live-Präsentation erspart.

Der Fokus der Aufmerksamkeit im NLP

Für den Online-Kongress habe ich jede Menge Tests im Vorfeld gemacht. Und trotzdem sind auch Dinge schiefgelaufen. Das meiste haben meine Grafikerin und ich ganz schnell behoben und beide haben wir wieder viel gelernt. Der wäre Kongress nie zustande gekommen, wenn ich aus lauter Angst vor Fehlern nicht losgelegt hätte. Und in diesem Kontext habe ich tatsächlich mal fast ausschließlich positives Feedback auf das bekommen, was gut gelaufen ist und ganz wenige negative Rückmeldungen. Was mich natürlich sehr gefreut hat. Vielleicht ist der Fokus der Aufmerksamkeit bei NLP interessiertem Publikum anders eingestellt. Wer weiß?

 Die Autorin: Ingrid Huttary, Coach für Selbstwirksamkeit und Lebensfreudeingrid-rund
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