Ich will alles und zwar sofort – Veränderung sinnvoll angehen

Veränderung

Zu viel auf einmal wollen

Vor zwei Wochen habe ich die Leser meiner wöchentlichen Inspirationsmails zum Thema Veränderung im Alltag befragt:

  • Was sind die Dinge, die du eigentlich tun solltest oder im Grunde gern tätest, die du aber bisher nicht dauerhaft eingebaut bekommst?
  • Was würdest du gern (mehr) in dein Leben integrieren?
  • An welcher dauerhaften Verhaltensänderung scheiterst du bisher?

Ich habe auch einige Antworten bekommen. Und alle, die mir geschrieben haben, hatten gleich eine ganze Liste. Das ist auch mal wieder so etwas zutiefst typisch Menschliches. Wenn ich schon mal dabei bin, etwas zu verändern, dann aber richtig.

Radikale Veränderung kann funktionieren

Manchmal funktioniert radikale Veränderung auch gut. Wenn ich sowieso einen neuen Job anfange und dafür vielleicht auch umziehe, dann kann ich auch gleich noch ein paar andere Dinge mitändern – Ernährung umstellen, neuer Sport, neue Hobbies.

Eine neue Umgebung hilft

In einer neuen Umgebung mit neuen Rahmenbedingungen stehen die Chancen auch gar nicht schlecht. Weil hier die alten Automatismen, die alten Gewohnheiten noch nicht wieder etabliert sind. Letztes Jahr im Seminar hat daraufhin ein Teilnehmer auch gleich beschlossen, dass er im Zuge seines Umzugs dann auch sofort anfängt mit dem regelmäßigen Sport. Seine Chancen stehen gut, dass es klappt, wenn er den neuen Wohnort und den regelmäßigen Sport aneinander koppelt und damit als zusammengehörig in seinem Unbewussten verankert.

Krisen lösen Veränderung aus

Ein anderer Anlass für radikale Veränderung sind Krisen. Krankheit, Trennung, Jobverlust oder der plötzliche Tod eines geliebten Menschen. Das kann uns schon Mal so schwer erschüttern, dass wir ganz viel auf einmal in Frage stellen. Aber das möchte ich jetzt niemandem wünschen, nur damit radikale Veränderung gelingt.

Und häufig umzuziehen, hilft zwar dabei Ballast abzuwerfen oder erst gar nicht zu sammeln, hält flexibel und unterstützt es, sich selbst immer wieder neu zu erfinden. Aber auch wenn digitales Nomadentum gerade „in“ ist, scheint es mir auch nicht der ideale Weg für die meisten Menschen zu sein. In meinen letzten Abendseminaren waren mehrere junge Frauen dabei, die jahrelang viel gereist waren und sich nun sehr danach sehnten, irgendwo anzukommen.

Veränderung in kleinen Schritten

Insofern plädiere ich dafür, Veränderung etwas gemächlicher anzugehen. In kleinen, möglichst einfachen, schmerzfreien Schritten. Eine Veränderung nach der anderen. Erst das eine Verhalten und wenn das fest verankert ist, das nächste. Und jede Veränderung so anzugehen, dass sie möglichst wenig inneren Widerstand auslöst. Dafür aber positive Emotionen hervorruft – zumindest mit der Zeit.

Zu hohe Hürden

Im Anschluss an das Webinar vor ein paar Tagen, hat mir eine Teilnehmerin geschrieben, dass sie gerade ein großes Thema damit hat, dass sie sich selbst die Hürden zu hoch setzt. Das ist im Grunde eine Variation von „zu viel auf einmal wollen“. Ich begnüge mich nicht damit, erst einmal klein anzufangen, sondern ich möchte es, wenn schon, dann aber richtig. Und mache es mir damit schwer, überhaupt loszulegen.

Zwei Klassiker

Mir fallen dazu spontan zwei Klassiker ein: regelmäßig laufen und aufräumen. Ich kenne viele Menschen, die sich vornehmen, regelmäßig laufen zu gehen. Aber wenn schon, dann richtig, also mindestens 30 bis 45 Minuten 3 bis 4 Mal die Woche. Das sind dann gleich zweieinhalb Stunden die Woche. Die wollen untergebracht sein. Außerdem sind 30 bis 45 Minuten für einen Anfänger viel zu lang. Das schaffe ich vielleicht einmal, bin danach dann aber so fertig, dass es ganz sicher keine positiven Emotionen auslöst und ich beim zweiten Mal lieber daheim bleibe.

Da geht mir dann gleich doppelt die Puste aus – physische und emotional. Und ohne gute Gefühle ist die Motivation ratzfatz im Keller.

Die Variante beim Aufräumen ist die, dass ich die Latte mal schön hoch lege. Wenn ich aufräume, dann aber bitte richtig und gründlich – alle Schränke und Schubladen und den Keller am besten auch gleich. Wenn ich mir dann vorstelle, wie viel Arbeit das ist und wie lange ich dafür brauchen werde, dann fange ich doch lieber gar nicht erst an.

Wie ist es bei dir? Wo stehst du dir selbst im Weg und willst zu viel auf einmal?

Nächste Woche verrate ich euch  – zum Abschluss dieser kleinen Serie – eine weitere Spielart zu hoher Hürden und was die Kraft des Momentums damit zu tun hat.

 

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2 Antworten

  1. Liebe Merve, wie cool. Rauchen aufhoeren, nur mit Umzug! Und ja, natuerlich nehmen wir uns immer mit. Es braucht halt eine Mischung aus verschiedenen Strategien und Umständen. Liebe Grüsse Ingrid

  2. Merve sagt:

    Hallo Ingrid,
    stimmt, Umzüge können super sein für größere Veränderungen. Ich habe vor 5 Jahren „vergessen“, dass ich rauche, nachdem ich umgezogen war. Der Versuch ein paar Tage vorher, es aufzugeben, war gescheitert. Und plötzlich, in der neuen Umgebung, habe ich 3 Wochen lang nicht mal dran gedacht, bis es mir auffiel 😀
    Allerdings denke ich auch, dass man so viel umziehen kann, wie man will – man nimmt sich ja selbst mit. Von daher ist es noch keine Geling-Garantie.
    Und wie du sagst, es ist auch schön, mal anzukommen.
    Also tun wir es Schritt für Schritt.
    Liebe Grüße
    Merve

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