Schlaghosen als Jungbrunnen

Fernseher-70er

Warum Schlaghosen jünger und gesünder machen können …

Wer in den 70ern jung war, kennt sie noch, weil sie damals jeder trug: Schlaghosen, oben hauteng, unten fast wie Röcke. Und dazu T-Shirts in schrillen Farben und bunte Schals. Und an den Wänden Tapeten in orange und braun, bei deren Anblick einem schon mal schwindelig werden konnte. Und Frisuren wie Farah Fawcett in „Drei Engel für Charlie“ bei den Frauen.

Und so was soll nun jünger machen?

Ja, zumindest die, die in jener Zeit ihre Jugend erlebt haben. In einem Experiment haben Forscher eine Gruppe von älteren Menschen für mehrere Wochen in eine Umgebung versetzt, die ein relativ exaktes Abbild ihrer Umgebung aus der Jugendzeit war – in diesem Fall, wenn ich mich recht erinnere, etwa aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. D.h. die Wohnung war eingerichtet, wie die Wohnungen, in denen sie als junge Menschen gelebt hatten und sie trugen wieder Kleidung wie zu jener Zeit. Der Effekt war verblüffend. Die Umgebung aus alten Zeiten führte dazu, dass die älteren Menschen binnen kurzer Zeit wieder beweglicher wurden, sich jünger und fitter fühlten und sehr viel vitaler agierten.

… und die Finger wachsen lassen

Zu Beginn des Experiments hatten die Forscher die Fingerknochen der Teilnehmenden gemessen. Die Länge der Fingerknochen nimmt in der Regel mit dem Alter ab und ist insofern ein messbares Indiz für den Alterungsprozess. Bereits nach drei Wochen konnten die Forscher messen, dass das Leben in der Umgebung, die mit Jugend assoziiert war, wie ein Jungbrunnen wirkte. Sogar die Fingerknochen der Teilnehmenden waren wieder gewachsen.

Dies ist eines von vielen Experimenten aus der Priming-Forschung. Priming steht für die Bahnung der Wahrnehmung, die dann wiederum Auswirkungen hat bis auf die Zellebene, wie das obige Experiment zeigt.

Was die längeren Knochen mit deinem Erfolg zu tun haben

Für das Thema Dranbleiben ist das Wissen um den Priming Effekt enorm nützlich. Viele Studien haben nachgewiesen, dass das, was ich im Außen wahrnehme, maßgeblich beeinflusst, wie ich denke und handle, wie oben gesehen sogar, wie meine Knochen wachsen. Und diesen Effekt kann ich nutzen, um mit größerer Leichtigkeit meine Vorhaben und Ziele umzusetzen. Indem ich ein Umfeld schaffe, das mein Vorhaben begünstigt.

Eine weitere Studie zeigt, dass sich nicht nur Jugendlichkeit, sondern auch Erfolg primen lässt. Prof. Alexander D. Stajkovic von der University of Wisconsin—Madison forderte Teilnehmer auf, aus einzelnen vorgegebenen Wörtern innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters möglichst viele unterschiedliche Sätze zu bilden. Dabei wurden einer Gruppe ausschließlich Erfolgswörter wie „gewinnen“, „erfolgreich sein“, „Wettkampf“, „siegen“, „es schaffen“ etc. vorgelegt. Eine Kontrollgruppe erhielt für die gleiche Aufgabe dagegen neutrale Wörter wie „Schildkröte“, „grün“, „Lampe“.

So als hätte diese Aufgabe nichts mehr mit der Studie zu tun, wurde anschließend beiden Gruppen eher beiläufig eine Kreativitätsaufgabe gegeben. Aus einem Stück Draht sollten die Teilnehmenden möglichst viele unterschiedliche Dinge entwickeln. Das Ergebnis war eindeutig: die mit Erfolgswörtern „geprimte“ Gruppe erzielte erheblich bessere Ergebnisse.

Geschickt deinen Erfolg herbeireden

Der obigen Studie kannst du schon entnehmen, dass es bereits einen nachweislichen Unterschied macht, wenn du dich vor herausfordernden Aufgaben mit Wörtern und Sätzen einstimmst. Gut geeignet sind zum Beispiel geschickt formulierte Affirmationen. Mit geschickt formuliert meine ich, dass du deine Affirmationen so aufbaust, dass du sie dir selbst leicht glaubst. Direkte, absolute Affirmationen, wie „Ich bin großartig.“ „Es fällt mir ganz leicht, diese Prüfung zu bestehen.“, können leicht dazu führen, dass sich innere Zweifler regen. Das kann dann eher nach hinten losgehen. Günstiger sind indirekte, wachstumsorientierte Formulierungen, wie: „Ich glaube von Tag zu Tag mehr, dass ich diese Prüfung schaffe.“ „Ich merke, wie ich mehr und mehr wachse.“ „Ich kann mir erlauben, immer öfter ganz selbstbewusst aufzutreten.“ Schreib dir die Affirmationen oder auch einfach die Worte und Sätze, die gut zu deinen Zielen passen auf, häng sie auf oder lies sie vor herausfordernden Aufgaben.

… oder die Brooklyn Bridge nutzen

Auch Visualisierungen eignen sich sehr gut, um dich auf Erfolg zu „primen“. Du kannst dir innerlich einen Film entwerfen, in dem du geschafft hast, was du dir vorgenommen hast. So wirst du zum Regisseur deines Lebensfilms. Selbst wenn es nachher nicht 1:1 genauso eintritt, baust du zumindest Wahrnehmungsbahnen Richtung Erfolg für deine unwillkürlichen Aktionen und Reaktionen. Oder du umgibst dich mit Bildern oder Collagen, auf denen dein Ziel oder Aspekte davon zu sehen sind. Wenn du nach Wegen suchst, wie du deinen Traum nach New York zu reisen verwirklichen kannst, dann bau dir eine Collage mit dir auf der Brooklyn Bridge.

Mit Pippi Langstrumpf oder Rockefeller ans Ziel

Wenn du gern öfter dein „besseres Selbst“ sein möchtest, dann überleg dir, wer die Eigenschaften oder Denkweisen, die du gern mehr integrieren möchtest, für dich verkörpert. Und stell dir vor, dass du in deinem Tempo mehr und mehr so wirst wie dein Vorbild – zumindest in dem Bereich, für den er oder sie für dich vorbildlich ist. Du möchtest gern öfter unangepasst und scheinbar verrückt handeln? Dann frag dich, was wohl Pippi Langstrumpf jetzt an deiner Stelle dächte und täte? Du möchtest gern mutiger investieren? Dann stell dir vor, wie Rockefeller an deiner Stelle das Risiko bewertet hätte.

Je mehr du in deinem Leben dein Umfeld und deine Gedanken in Worten und inneren Filmen und Bildern passend zu deinen Zielen gestaltet, umso mehr „primst“ du dich auf Umsetzung mit Leichtigkeit.

Teilst du mir mit, welche Erfahrungen du selbst schon mit Priming gemacht hast?

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3 Antworten

  1. 6. Juli 2016

    […] meinem Artikel „Schlaghosen als Jungbrunnen“ hatte ich bereits einige Beispiele aus der Priming-Forschung zitiert, die seit Jahren […]

  2. 2. März 2017

    […] schon lange, dass Körper und Geist eine untrennbare Einheit bilden. Und in meinem Artikel zu den Schlaghosen vom März letzten Jahres habe ich auch schon mal erwähnt, dass sogar unsere Knochen mit unserem […]

  3. 27. Juli 2017

    […] erinnerst du dich, dass ich hier schon einmal darüber geschrieben habe, was für einen enormen Einfluss auch unsere Umgebung auf unsere Gesundheit hat. Damals hatte ich gerade gelesen, dass ältere Menschen, wenn man sie in eine Umgebung […]

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