Vertrag mit dir selbst

Joghurtbild

Vertrag mit dir selbst – die Joghurtmetapher.

Hier auf „geschafft.net“ geht es ja immer wieder darum, wie du ans Ziel kommst und was dich alles dabei unterstützen kann. In den letzten Tagen und Wochen sind mir immer wieder Impulse begegnet rund um das Thema Selbstvertrauen und Verlässlichkeit. Meines Erachtens sehr wichtige Zutaten, um sich überhaupt erst einmal ambitionierte Ziele zu setzen und um diese dann auch zu erreichen. Deswegen biete ich dir heute hier an, einen Vertrag mit dir selbst zu schließen.

Selbstvertrauen wörtlich

Wenn ich das Wort Selbstvertrauen wörtlich nehme, dann geht es darum, sich selbst zu vertrauen. Und wie entsteht in der Regel Vertrauen? Dadurch, dass ich die Erfahrung mache, dass ich vertrauen kann.

Ich hatte ja schon in meinem Artikel „Wo ich bin, will ich sein“ erwähnt, dass ich auf einer meiner Autofahrten ein Interview mit Jens Corssen gehört habe. Und er erzählt in diesem Interview die Geschichte einer Frau, mit der er am Thema Selbstvertrauen gearbeitet hat. Sie kam zu ihm, weil sie zwar fachlich souverän agierte, jedoch der Ansicht war, es mangele ihr an Selbstvertrauen. Jens Corssen schlug ihr deswegen vor, die folgende Übung zu machen: 14 Tage lang konsequent etwas täglich tun, was sie ohnehin schon ziemlich regelmäßig tut. Das klingt banal, doch wie oft nehmen wir uns etwas vor und machen es dann doch nicht oder machen es seltener oder kürzer, als wir es uns vorgenommen hatten? Die Frau überlegte, was sie ohnedies schon regelmäßig tut und kam darauf, dass sie fast täglich Joghurt isst. Also fixierte sie einen schriftlichen Vertrag mit sich selbst: Ich, Eva, esse 14 Tage lang jeden Tag vor 8 Uhr Joghurt. Als ginge es um mein Leben.

Der tägliche Joghurt

Ihr erschien diese Übung auch banal: täglich vor 8 Uhr Joghurt essen. Was soll das bringen? Doch sie ließ sich darauf ein. Einmal sah sie auf die Uhr und es war bereits 7.59. Schnell flitzte sie zum Kühlschrank und schob sich wenige Sekunden vor 8 Uhr den ersten Löffel Joghurt rein. Und am 12. Tag passierte es dann. Sie war bereits im Schlafanzug und wollte sich nur noch einen Schluck Wasser aus dem Kühlschrank holen. Da sah sie es: kein Joghurt im Kühlschrank. Klar hätte sie jetzt sagen können: Mein Gott, ich habe 12 Tage durchgehalten, ich kaufe mir morgen einen auf dem Weg zur Arbeit, dann ist es halt 8.30. Aber dann fiel ihr Blick auf den Vertrag: 14 Tage lang, täglich vor 8 Uhr. Als ginge es um mein Leben. Und dann hat sie sich entschieden. Sie hat sich angezogen, ein Taxi genommen und ist zum Bahnhof gefahren, wo es ein Geschäft gab, das um diese Uhrzeit noch Joghurt verkaufte. 187,50 Mark, der teuerste Joghurt ihres Lebens. Ein nachhaltiges Symbol dafür, dass sie sich selbst vertrauen kann.

Verlässlichkeit schaffen

Die Geschichte klingt verrückt, doch mir gefällt die Idee, dass ich mein Selbstvertrauen dadurch ausbaue, dass ich mir immer mal wieder selbst zeige, dass ich mich auf mich verlassen kann. Ich bin ja ohnedies ein großer Fan von Verlässlichkeit. Gerade gestern wollte ich mich gern mit einer alten Freundin treffen, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte, weil ich in Berlin wohne und sie in München. Auf meine Anfrage eine Woche vorab, ob sie an dem Abend Zeit hat, weil ich da beruflich in München bin, kam ein begeistertes „Oh ja, toll. Ich versuche ein Kindermädchen zu organisieren.“ Bis zum Vorabend des angedachten Treffens hatte ich nichts wieder gehört. Letztlich kam dann auf meine Nachfragen am Tag selbst eine „Ach, wie schade. Ich hätte dich so gern gesehen“ Absage. Schade. Vielleicht kennst du das ja auch. Du nimmst dir etwas vor, doch dann finden sich gute Gründe, es doch zu lassen. Egal, ob es um etwas geht, was du dir für dich selbst vornimmst oder um Verabredungen mit anderen. Und ebenso egal ist es, ob es um Verabredungen mit dir selbst oder um Verabredungen mit anderen geht: es bleibt was hängen.

Ja, das will ich

Auch in meiner Dranbleib-Challenge hatte ich unter dem Stichwort Commitment ein Plädoyer für ein klare „JA, das will ich“ statt eines lauwarmen „Ja, wenn denn alles klappt.“ abgegeben. Und als ich jetzt diese Idee des Vertrages mit sich selbst hörte und die Geschichte mit dem Joghurt, kam mir die Idee, hier das Angebot zu machen, einen „Vertrag mit mir selbst“ zu schließen und mit anderen zu teilen.

Hast du Lust mitzumachen? Dann überleg dir bitte zunächst: Was tust du ohnedies schon relativ regelmäßig? Oder was möchtest du schon lange mit größerer Verbindlichkeit machen? Nutze die Gelegenheit, dazu einen Vertrag mit dir selbst zu schließen und poste dein Vorhaben unten in den Kommentaren. Wichtig: es sollte etwas sein, was dir eher leicht fällt, damit du es auch wirklich durchhältst. Schließlich geht es darum, dass du die Erfahrung machst, dass du dir selbst vertrauen kannst. Und kleine Schritte, die du auch wirklich gehst, sind sehr viel wirkungsvoller, als große Vorhaben, die unterwegs stecken bleiben. Wenn du dich entschieden hast, was du für diese Übung tun möchtest, dann teile mit uns dein Vorhaben: Was machst du? Wie oft? Wie lange? Schreib in die Kommentare einen Satz, der etwa so lautet: Ich, …, schließe folgenden Vertrag mit mir: Ich mache … X Tage lang …

Und am Ende des Zeitraums schreib kurz, wie es dir damit ging. Wieder einfach hier in die Kommentare.

Ich gehe mal mit gutem Beispiel voran. Mein Vertrag mit mir selbst: „Ich, Ingrid Huttary, schließe folgenden Vertag mit mir: Vom 2.6. bis zum 10.6. übe ich täglich mit der Faszienrolle.“ Diesen Zeitraum habe ich jetzt gewählt, weil ich danach wieder verreist bin. Und es soll ja leicht sein. Ich habe übrigens auch noch einen weiteren Vertrag mit mir selbst: ich schreibe bis zu meinen Sommerferien jede Woche einen Blogbeitrag. Den halte ich ja schon eine Weile ein. Und merke, dass sich diese Verlässlichkeit für mich gut anfühlt, auch wenn es manchmal nicht ganz so leicht in meinen Alltag passt.

Machst du mit? Was versprichst du dir selbst?

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11 Antworten

  1. Hallo @ all, ich habe es übrigens geschafft! Ich gebe zu, dass ich sehr froh war, dass ich mich nicht festgelegt hatte, wie lange ich täglich mit meiner Faszienrolle übe, aber ich habe bis heute täglich geübt. Morgen mache ich Pause, weil ich derzeit verreist bin und die Rolle nicht mitgenommen habe.

  2. Merve sagt:

    Liebe Ingrid,

    ich denke nun schon seit ein paar Tagen über deinen Blogbeitrag und diese Inspiration nach. Danke!
    Und ich habe mich gefragt, was ich wirklich JEDEN Tag eh schon tue. Außer Zähne putzen und nach dem Toilettengang die Hände waschen. Das ist schon mal gar nicht so einfach, denn ich bin ein Mensch, der seine Pläne gerne mal über den Haufen wirft und sein Leben gerne flexibel an die momentanen Gegebenheiten (und Launen) anpasst.

    Ich könnte mir vornehmen, jeden Tag ein Vorhaben NICHT umzusetzen 😀
    Ok, sicher nicht Sinn der Sache 😉

    Diese Erkenntnis hat mich ins Grübeln gebracht. Denn ich kann sehr gut nachvollziehen, warum es so wichtig ist, sich selbst in Punkto Vorhaben/Verträge-mit-sich-selbst vertrauen zu können. (Bisher habe ich Selbstvertrauen immer eher mit meinen Stärken und Fähigkeiten verbunden im Sinne von: ich weiß, dass ich etwas schaffen kann – oder hinterher mit dem Misserfolg klar komme und im besten Fall darauf noch was lerne.)

    Japp, ich will etwas finden, womit ich mein mir selbst vertrauen üben kann! Und weil mir nach 4 Tagen Überlegung noch immer nichts eingefallen ist, was ich wirklich jeden Tag zuverlässig mache – STOPP! Jetzt weiß ich es! Schokolade essen, das geht immer 😀 – also, weil mir bis eben noch nichts anderes eingefallen war, UND weil ich die Herausforderung will, orientiere ich mich nun an Andreas:

    Die nächsten 2 Wochen (6.-17.6.16) werde ich mich jeden Tag (Mo-Fr) mind. 15 Minuten mit dem Thema Positionierung beschäftigen. Das spielt dann auch einem Projekt in die Hände, an dem ich eh gerade arbeite. Super!

    Liebe Grüße und gute Umsetzung eurer Vorhaben!
    Merve

    @Andreas: meine Rolle staubt nicht ein – liegt ja gut im Schrank 😀

    • Liebe Merve,
      die Idee ist nicht, etwas weiterhin zu tun, was du sowieso schon machst. Sondern etwas, was du schon relativ regelmäßig tust, dafür zu nutzen, dir selbst zu beweisen, dass du dich auf dich selbst verlassen kannst, indem du aus dem „relativ“ ein „zuverlässig täglich“ oder wie im Beispiel „täglich vor einer bestimmten Zeit“. Und ich gebe zu, mein Training mit der Faszienrolle gehörte bisher noch gar nicht in meinen Alltag. Aber ich möchte es jetzt mal verlässlich eine Zeitlang machen, um a) mir selbst zu zeigen, dass ich mich auf mich verlassen kann, wenn ich mir etwas vornehme und b) dann zu entscheiden, ob ich Faszientraining dananch längerfristig in meinen Alltag integrieren möchte.

      Liebe Grüße Ingrid

  3. Angela Schulze sagt:

    Liebe Ingrid, schöne Idee 🙂
    Ich, Angela Schulze, schließe folgenden Vertrag mit mir: Ich werde vom 02.06. bis zum 16.06.2016 jeden Tag in mein Tagebuch schreiben.
    Lustig, ich bin gerade ganz aufgeregt ;-))

  4. Olaf sagt:

    Liebe Ingrid, ich breche hiermit einen Vertrag mit mir selbst: keine Kommentare zu schreiben, nirgends und niemals. Diesen Vertrag hätte ich fast schon mal gebrochen, als Deine Challenge vorbei war, aber dann bin ich doch meinem Vertrag treu geblieben. Heute also mal anders:
    Ich bin dabei, ein paar neue Regelmäßigkeiten zu etablieren und deshalb kam Dein Vorschlag bei mir als eine wunderbare Störung des üblichen Vorgehens an. Sie hat mich Stunden des produktiven Nachdenkens gekostet, aber genau das hatte ich mir für heute vormittag (und alle weiteren) als neue Verpflichtung vorgenommen (Ausnahmen inbegriffen). Mein Vertrag mit mir im Sinne Deiner Aufforderung betrifft verschiedene liebevolle Rituale, z.B. meiner Frau morgens den ersten Kaffee zu machen, die Katze mindestens einmal am Tag auf den Arm zu lassen, sie zu kraulen (und mir von ihr das Ohr putzen zu lassen), kurz, die Beziehungsrituale bewusst zu pflegen als vertragliche Aufgabe.
    Aber ich habe mich heute morgen auch hingesetzt und aufgeschrieben, zu was mich Dein Text angeregt hat, ich hatte nämlich den Eindruck, da ist nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs beschrieben. Denn eigentlich ist das der Beginn einer Strategie zur Etablierung neuer Gewohnheiten (das können auch Gefühle wie Selbstvertrauen oder Mut sein, die dauernd anwesend sein sollten). Darum hier als Rattenschwanz noch meine Notizen:

    Selbstverpflichtungs-Challenge
    1. Vertrag mit mir selbst über etwas, das wir sowieso schon immer tun, eine Gewohnheit, die so ist, wie sie ist, aber auch anders hätte sein können (also atmen z.B. oder aufs Klo gehen gehören nicht dazu, morgens als erstes die Zeitung zu lesen aber ganz sicher).

    Vertragstext: Hiermit verspreche ich: Ich mache x Tage (Wochen) lang jeden Tag (Woche) y (zum Zeitpunkt z).

    Was passiert da genau: wir versehen eine Praxis, die gewohnheitsmäßig/automatisch „abläuft“, mit neuen „Submodalitäten“: bewusstes statt automatisches Ausführen und das Körpergefühl von Disziplin, Commitment, Selbstverpflichtung, Versprechen, wie immer man das nennen möchte.

    Der Sinn der Übung: Das Gefühl von Selbstverpflichtung/Disziplin erleben und im Körper etablieren („Embodyment“) an einem Fall, der unproblematisch ist, weil er zum Lebensrhythmus bereits gehört.
    Ergänzung: Es könnte dazugehören, täglich das ungute Gefühl /schlechte Gewissen sich deutlich zu machen/einzuüben, dass man hätte, wenn man das Commitment verletzte. Das wäre einfacher und billiger, als Joghurt mit dem Taxi zu holen (Insidergeschichte)

    2. Wenn die Sensibilität für das Gefühl von Disziplin entwickelt und eingeübt ist, kommt der nächste Schritt:
    Wir nehmen aus der Liste der Dinge, die wir gerne regelmäßig tun möchten, aber nicht tun (z.B. die Faszienrolle verstaubt in der Ecke), das Einfachste. Wir spüren dem unguten Gefühl nach, das wir deswegen haben und dann machen wir den Vertrag mit uns, gehen in das Gefühl von Commitment – und los geht es.
    Ergänzung: Dabei machen wir uns zuerst klar, was wir dafür aufgeben (irgendwie wurde die Zeit ja bisher mit Anderem gefüllt). Wir dürfen es betrauern, würdigend verabschieden, uns bedanken für die lange Begleitung im Leben. Eventuell müssen wir dem, was wir da aufgeben, auch länger wohlwollend zuhören – und dann gehen wir über zum Commitment.
    Könnte das eine Makrostrategie zur Etablierung der üblichen „guten Vorsätze“ werden?

    • Lieber Olaf, ich nehme es jetzt erst einmal als Kompliment, dass du hier schreibst. Vielen Dank. Deine liebevollen Rituale klingen toll und laden geradezu zum Nachmachen ein. Ich denke, die Intention, die Erfahrung zu machen, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann, würde nicht erfüllt, wenn ich mir lediglich die unguten Gefühle bewusst mache, die das Nichtmachen auslöst. Es geht ja eher darum, Commitment als positive Erfahrung zu verankern. Wenn ich jetzt an meinen Fall denke, dann gebe ich nicht wirklich etwas auf dafür, dass ich täglich ein paar Minuten übe. Zumindest könnte ich nicht benennen, was es ist, weil es ja wirklich nur um ein paar Minuten geht. Aber ich denke mal drüber nach.
      Und ja, ich finde es ist eine gute Strategie, um in kleinen Schritten gute Vorsätze in den Alltag zu integrieren – indem ich mit möglichst leichten Sachen anfange und mich mit wachsendem Selbstvertrauen steigere.
      Liebe Grüße
      Ingrid

  5. mail@ander-seits.de sagt:

    Faszienrolle?! Gute Idee, die staubt bei mir aktuell auch gerade ein …

    Ich werde vom 2. bis 16. Juni jeden Tag an meinem Online-Training arbeiten und Tag wenigstens eine Viertelstunde meiner Zeit dafür investieren.

    Schöne Grüße, Andreas

  1. 22. Juni 2016

    […] um etwas geht, das ich gern bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt hätte, dann finde ich den Vertrag mit mir selbst sehr […]

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