Am Ende des Jahres: zwischen Tun und Lassen

Uhr und Tasse als Symbol für Zeit

Zum Jahresende nehmen sich viele Menschen Zeit, um zurückzuschauen:
Was habe ich geschafft?
Was ist liegen geblieben?
Ich ergänze für mich gerne noch: Wie bin ich eigentlich mit mir und meiner Zeit umgegangen?

Zwischen Rückblick und Selbstoptimierungsdruck

Neulich habe ich wieder einen Artikel gelesen, der all jene Aktivitäten verteufelte, die nicht unmittelbar produktiv sind. Beim Lesen habe ich gemerkt, wie wenig mich dieser exzessive Selbstoptimierungswahn anspricht. Gerade zum Jahresende kommt er oft besonders laut daher:
Was hast du erreicht? Wo hast du Zeit verschwendet? Was musst du nächstes Jahr besser machen?

Diese tendenziell vorwurfshafte Haltung halte ich für wenig hilfreich – vor allem dann, wenn sie uns davon abhält, ehrlich hinzuschauen.

Sinnvolle Strategien – und bewusstes Nichtstun

Als Trainerin für Zeit- und Selbstmanagement halte ich es für absolut sinnvoll, sich Strategien anzueignen, um fokussiert, produktiv und zielorientiert zu arbeiten. Und gleichzeitig halte ich es für ebenso sinnvoll, Phasen des Nichtstuns bewusst zuzulassen.

Ich kann bei mir selbst gut beobachten, wann meine Konzentration nachlässt – und wann Herumtrödeln ein Zeichen dafür ist, dass mein System gerade etwas anderes braucht. Und dann erlaube ich mir manchmal einfach „sinnlos“ zu surfen oder vielleicht ein bisschen zu dösen oder aus dem Fenster zu schauen.

Zum Jahresende frage ich mich daher weniger: War das produktiv?
Sondern eher: Was hat mir gutgetan?

Die Dosis macht das Gift

Ich möchte gerade zum Jahreswechsel eine Lanze brechen für all die oft verteufelten Aktivitäten: Dösen, Trödeln, Serien schauen, Abschalten.
Nicht als Dauerzustand – sondern als Ausgleich.

Denn wie so oft gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift.
Weder permanenter Leistungsdruck noch völlige Passivität führen zu einem guten Umgang mit Zeit und Energie.

Regeneration als Voraussetzung für Wirksamkeit

Herumtrödeln aktiviert den Parasympathikus – den Teil unseres Nervensystems, der für Regeneration, Entspannung und Kreativität zuständig ist. Sein Gegenspieler, der Sympathikus, hält uns leistungsfähig, wach und oft auch unter Stress.

Gerade zum Jahresende wird mir immer wieder bewusst: Wer nicht genug regeneriert, kann nicht langfristig produktiv oder gar kreativ sein.

Ich bin überzeugt davon, dass Meditation, bei den Menschen, die sie mögen, den Parasympathikus noch viel besser aktiviert als Fernsehen. Ich habe aber immer wieder in meinen Seminaren auch Menschen, die keine Freude am Meditieren entwickeln. Meditation, Yoga oder Sport können helfen zu regenerieren, aber: Nicht alles passt für jeden.

Nicht alles passt für jeden – auch nicht im neuen Jahr

In meinen Lebensbalance-Seminaren rege ich dazu an, sich ehrlich zu fragen:
Was entspannt mich wirklich?
Und wann brauche ich was?

Diese Fragen sind gerade jetzt zum Jahresende besonders wertvoll – als Grundlage für Entscheidungen im kommenden Jahr. Pauschale Regeln helfen dabei selten. Was zählt, ist die individuelle Passung.

Erst beobachten, dann verändern

Bevor ich mir für das neue Jahr vornehme, „effizienter“, „disziplinierter“ oder „produktiver“ zu werden, halte ich es für sinnvoll, erst einmal zu beobachten:
Was tue ich wann?
Welche positive Absicht steckt dahinter?
Und erreiche ich diese Absicht mit dem was ich tue tatsächlich?

Denn manchmal ist das vermeintliche „Zeitvertrödeln“ genau das, was uns wieder handlungsfähig macht. Und manchmal müssen aufpassen, dass die Dosis stimmt. Eine Folge einer Lieblingsserie kann wunderbar sein, sechs Folgen bis spät in die Nacht wirken bei den meisten sicher kontraproduktiv.

Zeit als wertvolles Gut – mit Augenmaß

Zeit ist ein wertvolles Gut, und es lohnt sich, regelmäßig innezuhalten und zu prüfen, wie wir mit ihr umgehen. Gerade zum Jahresende. Ich halte jedoch wenig von der pauschalen Verurteilung unproduktiver Zeit.

Wenn eine Serie dich entspannt, gönn sie dir – ohne schlechtes Gewissen.
Beobachte nur achtsam, wann der Konsum dir nicht mehr gut tut und es Zeit wird, wieder aktiv zu gestalten.

Mein Ausblick

Deswegen habe ich mir für 2026 vorgenommen, öfter mal inne zu halten und meinen Umgang mit meiner Zeit zu hinterfragen. Nicht um mich selbst zu optimieren, sondern um mein Leben mehr zu genießen. Um den Wechsel zwischen Produktivität und süßem Nichtstun in eine zu mir passende Balance zu bringen. Selbstwirksamkeit statt Selbstoptimierung.

Was meinst du dazu? Wo könntest du gnädiger mit dir sein? Dein schlechtes Gewissen reduzieren? Und wo könntest du vielleicht auch weniger optimieren und mehr genießen oder dosierter genießen? Ich wünsche dir jedenfalls an dieser Stelle eine ganz genussvolle Weihnachtszeit, mit genau der richtigen Dosis an Aktivität und genüsslichem Loslassen.

Die Autorin: Ingrid Huttary, Mindset-Expertin für souveräne Führung und gesunde Lebensbalance

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