Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Liebe - Liebespaar

Liebst du ihn?

Neulich bin ich zufällig Zeugin einer Unterhaltung wurde. Einer Unterhaltung über eines der Grundthemen der Menschheit: die Liebe. Die junge Frau, die sich mit ihrer Freundin unterhielt, war sich nicht so ganz sicher, ob sie mit ihrem Freund zusammenbleiben möchte oder nicht. Und überlegte laut, ob sie ihn liebt oder nicht und was dafür spricht, dass sie ihn liebt. Und dass sie sich doch nicht trennen kann, wenn da doch noch Liebe ist. Diese Unterhaltung hat mihc dazu gebracht, über Submodalitäten und die Liebe nachzudenken. Submodalitäten das sind die Feinunterscheidungen unsere Sinneswahrnehmungen. Ein weniger technisches, aber genauso präzises Wort habe ich leider noch nicht gefunden, deswegen bliebe ich bei der originären NLP Bezeichnung.

Die innere Repräsentation von Jörn

Gefühle sind Sekundärphänomene. Es muss zuerst etwas da sein, das das Gefühl verursacht. Und das ist niemals die Person im Außen. Jedenfalls nicht unmittelbar. Ob die junge Frau, nennen wir sie Johanna, ihren Jörn liebt, hat mit Jörn nur bedingt zu tun. Jörn war schon Jörn bevor sie sich in ihn verliebt hat und er ist auch immer noch – zumindest weitestgehend – derselbe Jörn, wie vor ein paar Monaten. Das, worauf ihre Gefühle beruhen, das sind ihre inneren Repräsentationen von Jörn und ihre Bewertungen von Jörns Handlungen, die wiederum Einfluss auf ihre Repräsentationen haben.

Wir lieben nicht den Partner direkt

Da ich hier nur zufällige Zuhörerin war, habe ich das mit der sinnierenden jungen Frau nicht besprochen. Ich kann mich aber noch sehr gut erinnern, dass ich einmal Gasttrainerin im NLP-Practitioner eines Kollegen war. Und in dem Kurs war eine der Teilnehmerinnen zunächst regelrecht empört, als ich ausführte, dass wir nicht unseren Partner direkt lieben, sondern dass unsere Liebe mit unseren inneren Repräsentationen steht und fällt.

Gestaltungsspielräume für die Liebe

Das klingt so wunderbar romantisch: Liebst du ihn? Oder liebst du ihn nicht? Diese Frage impliziert allerdings einen eher statischen Gefühlszustand. Und sie impliziert wenig bis gar keinen Gestaltungsspielraum. Wenn ich aber erst einmal erkannt habe, dass Gefühle Sekundärphänomene sind, dann kann ich Einfluss nehmen: über die Gestaltung der inneren Repräsentation und über meine Bewertung.

Selbstwirksamkeit und die Liebe

Und diese Einflussnahme geschieht natürlich sinnvollerweise immer auch in Interaktion mit dem Partner. Es geht ja nicht darum, im stillen Kämmerchen allein die eigenen Gefühle wie im Reagenzglas zu kultivieren. Der Untertitel meines Unternehmens lautet „Selbstwirksamkeit und Lebensfreude“. Mir geht es nicht darum, hier zu propagieren, dass es völlig egal ist, wer da im Außen ist und wie er sich verhält. Natürlich hängen die inneren Repräsentationen eng zusammen mit dem Geschehen und den Personen im Außen.

Aber wenn ich erst einmal erkannt habe, dass meine Gefühle auf diesen Repräsentationen basieren, dann kann ich viel besser einordnen, worauf Schwankungen beruhen. Und dann ist auch klar, dass die Frage: „Liebst du ihn?“ vielleicht gar nicht mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten ist. Und auch das Hin- und Her-Gerissen-Sein hängt mit den inneren Repräsentationen und den eigenen Bewertungen zusammen.

Viele Paare verfangen sich im Laufe der Jahre in ihren negativen Bewertungen von vergangener Unbill und begeben sich, ohne es zu wollen, in eine Abwärtsschleife. Gerade vor Kurzem erst hatte ich im Coaching eine Frau, die seit Jahren Groll gegen ihren Mann hegt, weil sie sich bei einer für sie sehr wichtigen Entscheidung von ihm nicht gesehen fühlte. Dagegen hilft es, sich bewusst zu machen, was man selbst und der Partner gebraucht hätte und sich einfach mal in den schönsten Farben auszumalen, beide hätten diese Ressourcen gehabt. Das schafft dann oft ganz viel Versöhnung.

Wenn ich allerdings lange genug negative Bewertungen und unschöne Repräsentationen hege, dann erlöschen die liebevollen Gefühle irgendwann. Wie auch immer es weitergeht mit Johanna und Jörn. Ich wünsche den beiden jedenfalls mehr Bewusstheit über die eigenen Handlungsspielräume.

Wie ist es bei dir? Achtest du bewusst darauf, wie du deine(n) Partner*in wahrnimmst?

Die Autorin: Ingrid Huttary, Mindset-Expertin für souveräne Führung und gesunde Lebensbalance

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24 Antworten

  1. Avatar N. Martin sagt:

    Was für ein passender Beitrag bzw. passendes Thema pünktlich zum 16. Hochzeitstag!
    Obwohl ich sagen muss, dass ich dieses Mal den Text/ die Formulierungen “inneren Repräsentationen”, “Submodalitäten”, “Sekundärphänomene” etc. schon etwas schwieriger zu lesen fand.
    Ich bin mir jedenfalls sehr bewusst, was für ein Glück ich bisher hatte, meinen tollen Partner an meiner Seite zu haben. Wir haben fast nie “echten” Streit, höchstens mal kleinere Zickereien, dem Alltagsstress geschuldet. Aber die verrauchen dann schnell wieder. Wir haben ähnliche Werte und Vorstellungen und Ziele, das macht sehr viel aus. Zum Ausgleich haben wir aber verschiedene Hobbies und kommunizieren ganz anders mit unseren gemeinsamen und nicht gemeinsamen Freunden. Generell kann ich mich immer wieder darauf besinnen, dass ich unendlich dankbar sein kann, für die ganze Stärke und Unterstützung, den Humor, die Zärtlichkeit, die Lebensfreude und das Anlehnen können, die ich durch meinen Mann erfahre. Wir sind bisher mit zwei gesunden Kindern sehr gut durchs Leben gegangen. ich bin nicht gläubig, aber ich würde mich damit als “gesegnet” bezeichnen, weil ich kein anderes passendes Wort finde. In Zeiten wie diesen (Pandemie) besinne ich mich immer öfter auf dieses ganze Glück und unsere Stärke, unsere Gesundheit und den Wohlstand. Dennoch war dein Beitrag auch wieder ein kleiner Augenöffner für mich: Ich kann mich eigentlich sehr gut in andere hinein versetzen und die perspektive wechseln. Ich weiß, jeder Mensch ist eine Insel. Daher bin ich zB fast nie (lange) nachtragend, wenn es mal Differenzen gibt. Weil jeder eben seinen Packen zu tragen und zB gerade besonders gestresst ist. Aber ich denke, ich könnte noch mehr hinterfragen und akzeptieren, was der/ die andere gerade benötigt und möchte (eher Zeit für sich? Umarmung und Nähe? oder lieber Abstand?). Das werde ich in den kommenden Tagen mal wieder mehr versuchen zu ergründen.

    • Liebe N.,
      wie schön, dass ich so ein gutes Timing habe 😉 . Danke, dass du mir die Augen dafür öffnest, dass ich mit etlichen Fachbegriffen “um mich geworfen” habe. Da kann ich jetzt üben, mich in meine Leser hineinzuversetzen.
      Und ja, auch ich empfinde derzeit große Dankbarkeit dafür, dass wir hier gut miteinander auskommen und auch ich übe in meinem Alltag, zu verstehen, was auf der Landkarte des Gegenübers vor sich geht. Wobei Landkarte hier als Bild steht, dafür, dass wir ja nicht auf das Außen reagieren, das Gebiet, sondern auf das, was wir zwischen unseren beiden Ohren daraus machen, also die Landkarte. Und die ist eben bei jedem anders, wie du es mit dem Bilde de Insel beschreibst.

  2. Liebe Ingrid,
    Spannende Frage sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich finde zu dem Thema könntest du noch mehr schreiben💕

    • Liebe Jenison,
      hm, da ich Paarcoaching nur als Nebenthema bei meinen Wissenschafterlinnen und Führungskräften mache, schreibe ich zum Thema Liebe nur, wenn es, wie hier, mir gerade “über den Weg läuft”. Aber es freut mich natürlich, wenn dir der Beitrag gefällt.

  3. Avatar Christian sagt:

    Hallo liebe Ingrid,
    vielen Dank auch für diesen sehr interessanten Artikel. Die Frage ob der Begriff Submodalitäten gerechtfertigt ist, habe ich mir, seit dem ich diese unglaublichen Submodalitäten von Dir lernen durfte, klar mit nein beantwortet. Ich schwanke aufgrund der unglaublichen Wirkungen zwischen
    a) Supermodalitäten, b) Genialitäten oder c) Hyperrepresentanten
    Was wäre Deine Wahl ☺️?

    Herzliche Grüße
    Christian

    • Lieber Christian, hm, auf die Idee, die Benennung von der Wirkung her zu betrachten, bin ich bisher noch nicht gekommen. Der Begriff Submodalitäten leitet sich ja einfach aus der Struktur her, weil es die Untereigenschaften sind.
      Ich würde aus deinem Angebot die Supermodalitäten wählen.
      Liebe Grüße
      Ingrid

      • Avatar Christian sagt:

        Liebe Ingrid, vielen Dank für die Auflösung dieses Wortspiels. Zukünftig verwende ich diesen schönen Begriff Supermodalitäten. Liebe Grüße Christian

  4. Liebe Ingrid,
    klasse Beitrag, vielen Dank.
    Ich bin auch überzeugt, alles beginnt (und endet) mit (unserem ersten) Gedanken. Daraus leiten wir in Sekundenbruchteilen Bewertungen ab. Die Kunst ist, sich immer und immer wieder bewusst zu machen, dass es (nur) unsere, immer subjektive Bewertung ist und keine Aussage über den anderen macht.

    Liebe Grüße
    Martin

  5. Liebe Ingrid,

    danke für diesen tollen Beitrag, der mal ein ganz anderes Licht auf das Thema Liebe wirft! Ich glaube, damit werde ich mich mal noch intensiver auseinandersetzen.

    Alles Liebe
    Christina

    • Liebe Christina,

      lieben Dank für das Feedback. Ich nutze selbst aktiv die Gestaltung meiner inneren Repräsentationen und meiner Bewertungen erfolgreich, um meine Liebe lebendig zu halten. Ausprobieren lohnt sich. 😉
      Alles Liebe Ingrid

  6. Ach was für ein schöner Beitrag zu dem Thema und ja dieses Spiel hält uns wohl unser ganzes Leben schön auf Trab 😉

  7. Liebe Ingrid,

    vielen Dank für diesen spannenden Artikel. Er regt zum Nachdenken an und ich finde du hast die Dynamik leicht verständlich auf den Punkt gebracht. Inhaltlich bin ich total bei dir.

    Wenn man das was du beschreibst erst einmal richtig begriffen und verinnerlicht hat, wird sehr klar und deutlich, was mit Eigenverantwortung gemeint ist. Und was für ein riesen Geschenk das ist.

    Liebe Grüße, Rosina

    • Liebe Rosina,
      vielen Dank! Freut mich, dass wir da ähnlich ticken. Eigenverantwortung und eben auch Eigenmacht. Nur Eigenverantwortung klingt fast wie eine Bürde, Eigenmacht ist das Geschenk.
      Liebe Grüße Ingrid

  8. Avatar Barbara sagt:

    Liebe Ingrid,

    aus Sicht des NLP verstehe ich das. Liebe zu einem andern Menschen ist nach meinem Verständnis davon abhängig, wie sehr ich mich schon selbst lieben kann. Sonst werde ich immer im Außen danach suchen und zielsicher genauso jemanden anziehen , der im Mangel mit der Liebe ist. Der auch jemanden sucht, der ihn “glücklich machen” soll. Und dann stehen sich zwei enttäuscht gegenüber…

    • Liebe Barbara,
      es ist für eine stabile und liebevolle Beziehung auf jeden Fall günstig, wenn ich mich selbst liebe. Und klar, mein Verhältnis zu mir selbst beeinflusst natürlich auch meine Beziehungen zu anderen. Mir ging es hier eher um den Aspekt des Gestaltungsspielraums, den ich habe, um meine eigenen Gefühle zu beeinflussen.
      Liebe Grüße Ingrid

  9. Avatar Lis sagt:

    Liebe Ingrid,
    dieser Artikel spricht mich sehr an. Rührt etwas in mir an, was ich noch nicht zu fassen bekomme.
    Mein Partner hat sich vor vielen Jahren von mir getrennt, als ich schwer krank war. Das hat mich tief verletzt, genau da im Stich gelassen worden zu sein, wo ich keine Kraft mehr hatte. Heute sind wir versöhnt mit dem was passiert war. Sind aber nicht wieder zusammen gekommen.
    Ich muss dazu sagen, dass er meine große Liebe war.
    Das was mich sehr beschäftigt ist, warum ich mich nicht mehr auf die Liebe einlassen kann, seit damals. Ich habe innerlich einfach keine Motivation. Gleichzeitig vermisse ich das. Ich habe keine Idee, wie ich das für mich auflösen kann. Meine Frage an Dich, kann so eine innere (negative) Bewertung (jemanden zu verlassen, der krank ist, ist schlimm) und eine vielleicht unbewußt getroffene Entscheidung (so was will ich nie wieder erleben, oder auf Liebe ist kein Verlass…) dazu führen, dass ich der Liebe einfach nicht mehr traue? Wie kann ich das auflösen und mich wieder öffnen für die Liebe? Irgendwie fühlt es sich auch nicht gut an, für eine ehemals große Liebe so einen hohen Preis zu zahlen. Nur all die Gedanken nach etwas anderem helfen mir nicht weiter. Was rätst Du mir?
    Die Art wie Du schreibst, ist sehr schön und geht sehr tief. Freue mich, durch einen Onlinekonkress auf Dich aufmerksam geworden zu sein…
    Alles Liebe Lis

    • Liebe Lis,
      das glaube ich dir sofort, dass es sich nicht gut anfühlt, so einen hohen Preis zu bezahlen. Und ja, es klingt so, als hätte die Erfahrung von damals dazu geführt, dass du dich gut schützt. Hast du schon ausprobiert, den Core-Prozess, der ja als Geschenk zum Kongress dabei war, auf dein Thema anzuwenden. Du brauchst dafür die Überzeugung, die dich daran hindert, dich wieder einzulassen. Zum Beispiel den Satz, den du geschrieben hast: “auf die Liebe ist kein Verlass”. Und dann nutzt du Schritt für Schritt den Prozess. Wenn du allein so nicht weiterkommst, unterstütze ich dich natürlich gern. Wenn du dich gern wieder auf die Liebe einlassen möchtest, bekommen wir das auf jeden Fall hin.
      Liebe Grüße
      Ingrid

      • Avatar lis sagt:

        Lieben Dank für Deine tröstliche Antwort.
        Den Core-Prozess habe ich noch nicht ausprobiert. Will mir morgen die Zeit dafür nehmen. Wenn ich nicht weiter komme, frage ich Dich einfach noch mal…
        Seit dem Kongress werde ich zum Fan von NLP. Danke dafür… Lieben Gruß Lis

  10. Avatar Alena sagt:

    Liebe Ingrid,
    ich stimme dir zu. Noch bevor wir uns kennenlernten hatte ich eine Beziehung die mich heftig geschüttelt hat. Als es dann vorbei war, hatte ich einen Traum der mich und seitdem klarer sehen läßt. Das Fazit vom Traum war: du liebst soviel wie du dich öffnest und es kann jeder sein (den du lieben Kannst). Denn,- und das ist jetzt mein Fazit-, die Liebe ist bereits in uns. Ich wünsche dir schöne Ferien
    Liebe Grüße
    Alena

  11. Avatar Sabine sagt:

    Danke diese Frage stelle ich mir einige Zeit.
    Bin zu dem Ergebnis gekommen was waren meine Gedanken und Gefühle damals und welche Absicht stand dahinter. ???
    WELCHE Gedanken Absicht und Gefühl ist es jetzt.
    Eine Veränderung ist da.
    Deine Mail läßt mich noch mal hin schauen. Und die Frage ist wie stimmig ist es noch für mich und meinen Partner.
    Wo steht jeder und wo hin geht’s.
    Lieben Gruß Sabine

    • Liebe Sabine,
      den Aspekt von Absichten habe ich diesmal außer Acht gelassen. Aber der spielt natürlich auch immer eine ganz wichtige Rolle. Und ja, es lohnt sich immer, Veränderungen genau wahrzunehmen. Damit fangen viele Paartherapeuten an. Was hat Sie mal zusammengebracht und was ist heute anders? Und welche Gemeinsamkeiten gibt es noch? Ich drücke dir/euch die Daumen.
      Liebe Grüße
      Ingrid

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