Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Liebe - Liebespaar

Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Ich liege hier auf meinem Sofa in unserem Ferienhaus und denke über Submodalitäten und die Liebe nach. Submodalitäten das sind die Feinunterscheidungen unsere Sinneswahrnehmungen. Ein weniger technisches, aber genauso präzises Wort habe ich leider noch nicht gefunden, deswegen bliebe ich bei der originären NLP Bezeichnung.

Liebst du ihn?

Ins Nachdenken über das Thema Submodalitäten bin ich gekommen, weil ich zufällig Zeugin einer Unterhaltung wurde. Einer Unterhaltung über eines der Grundthemen der Menschheit: die Liebe. Die junge Frau, die sich mit ihrer Freundin unterhielt, war sich nicht so ganz sicher, ob sie mit ihrem Freund zusammenbleiben möchte oder nicht. Und überlegte laut, ob sie ihn liebt oder nicht und was dafür spricht, dass sie ihn liebt. Und dass sie sich doch nicht trennen kann, wenn da doch noch Liebe ist.

Die innere Repräsentation von Jörn

Ich habe hier letzte Woche in einem ganz anderen Zusammenhang schon geschrieben, dass Gefühle Sekundärphänomene sind. Es muss erst etwas da sein, das das Gefühl verursacht. Und das ist niemals die Person im Außen. Jedenfalls nicht unmittelbar. Ob die junge Frau, nennen wir sie Johanna, ihren Jörn liebt, hat mit Jörn nur bedingt zu tun. Jörn war schon Jörn bevor sie sich in ihn verliebt hat und er ist auch immer noch – zumindest weitestgehend – derselbe Jörn, wie vor ein paar Monaten. Das, worauf ihre Gefühle beruhen, das sind ihre inneren Repräsentationen von Jörn.

Wir lieben nicht den Partner direkt

Da ich hier nur zufällige Zuhörerin war, habe ich das mit der sinnierenden jungen Frau nicht besprochen. Ich kann mich aber noch sehr gut erinnern, dass ich einmal Gasttrainerin im NLP-Practitioner eines Kollegen war. Und in dem Kurs war eine der Teilnehmerinnen zunächst regelrecht empört, als ich ausführte, dass wir nicht unseren Partner direkt lieben, sondern dass unsere Liebe mit unseren inneren Repräsentationen steht und fällt.

Gefühle sind Sekundärphänomene

Das klingt so wunderbar romantisch: Liebst du ihn? Oder liebst du ihn nicht? Diese Frage impliziert allerdings einen eher statischen Gefühlszustand. Und sie impliziert wenig bis gar keinen Gestaltungsspielraum. Wenn ich aber erst einmal erkannt habe, dass Gefühle Sekundärphänomene sind, dann kann ich Einfluss nehmen: über die Gestaltung der inneren Repräsentation und über meine Bewertung.

Selbstwirksamkeit und die Liebe

Und diese Einflussnahme geschieht natürlich sinnvollerweise immer auch in Interaktion mit dem Partner. Es geht ja nicht darum, im stillen Kämmerchen allein die eigenen Gefühle wie im Reagenzglas zu kultivieren. Der Untertitel meines Unternehmens lautet „Selbstwirksamkeit und Lebensfreude“. Mir geht es nicht darum, hier zu propagieren, dass es völlig egal ist, wer da im Außen ist und wie er sich verhält. Natürlich hängen die inneren Repräsentationen eng zusammen mit dem Geschehen und den Personen im Außen.

Aber wenn ich erst einmal erkannt habe, dass meine Gefühle auf diesen Repräsentationen basieren, dann kann ich viel besser einordnen, worauf Schwankungen beruhen. Und dann ist auch klar, dass die Frage: „Liebst du ihn?“ vielleicht gar nicht mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten ist. Und auch das Hin- und Her-Gerissen-Sein hängt mit den inneren Repräsentationen und den eigenen Bewertungen zusammen. Wenn ich allerdings lange genug negative Bewertungen und unschöne Repräsentationen hege, dann erlöschen die liebevollen Gefühle irgendwann. Wie auch immer es weitergeht mit Johanna und Jörn. Ich wünsche den beiden jedenfalls mehr Bewusstheit über die eigenen Handlungsspielräume.

 Die Autorin: Ingrid Huttary, Coach für Selbstwirksamkeit und Lebensfreudeingrid-rund
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7 Antworten

  1. Lis sagt:

    Liebe Ingrid,
    dieser Artikel spricht mich sehr an. Rührt etwas in mir an, was ich noch nicht zu fassen bekomme.
    Mein Partner hat sich vor vielen Jahren von mir getrennt, als ich schwer krank war. Das hat mich tief verletzt, genau da im Stich gelassen worden zu sein, wo ich keine Kraft mehr hatte. Heute sind wir versöhnt mit dem was passiert war. Sind aber nicht wieder zusammen gekommen.
    Ich muss dazu sagen, dass er meine große Liebe war.
    Das was mich sehr beschäftigt ist, warum ich mich nicht mehr auf die Liebe einlassen kann, seit damals. Ich habe innerlich einfach keine Motivation. Gleichzeitig vermisse ich das. Ich habe keine Idee, wie ich das für mich auflösen kann. Meine Frage an Dich, kann so eine innere (negative) Bewertung (jemanden zu verlassen, der krank ist, ist schlimm) und eine vielleicht unbewußt getroffene Entscheidung (so was will ich nie wieder erleben, oder auf Liebe ist kein Verlass…) dazu führen, dass ich der Liebe einfach nicht mehr traue? Wie kann ich das auflösen und mich wieder öffnen für die Liebe? Irgendwie fühlt es sich auch nicht gut an, für eine ehemals große Liebe so einen hohen Preis zu zahlen. Nur all die Gedanken nach etwas anderem helfen mir nicht weiter. Was rätst Du mir?
    Die Art wie Du schreibst, ist sehr schön und geht sehr tief. Freue mich, durch einen Onlinekonkress auf Dich aufmerksam geworden zu sein…
    Alles Liebe Lis

    • Liebe Lis,
      das glaube ich dir sofort, dass es sich nicht gut anfühlt, so einen hohen Preis zu bezahlen. Und ja, es klingt so, als hätte die Erfahrung von damals dazu geführt, dass du dich gut schützt. Hast du schon ausprobiert, den Core-Prozess, der ja als Geschenk zum Kongress dabei war, auf dein Thema anzuwenden. Du brauchst dafür die Überzeugung, die dich daran hindert, dich wieder einzulassen. Zum Beispiel den Satz, den du geschrieben hast: „auf die Liebe ist kein Verlass“. Und dann nutzt du Schritt für Schritt den Prozess. Wenn du allein so nicht weiterkommst, unterstütze ich dich natürlich gern. Wenn du dich gern wieder auf die Liebe einlassen möchtest, bekommen wir das auf jeden Fall hin.
      Liebe Grüße
      Ingrid

      • lis sagt:

        Lieben Dank für Deine tröstliche Antwort.
        Den Core-Prozess habe ich noch nicht ausprobiert. Will mir morgen die Zeit dafür nehmen. Wenn ich nicht weiter komme, frage ich Dich einfach noch mal…
        Seit dem Kongress werde ich zum Fan von NLP. Danke dafür… Lieben Gruß Lis

  2. Alena sagt:

    Liebe Ingrid,
    ich stimme dir zu. Noch bevor wir uns kennenlernten hatte ich eine Beziehung die mich heftig geschüttelt hat. Als es dann vorbei war, hatte ich einen Traum der mich und seitdem klarer sehen läßt. Das Fazit vom Traum war: du liebst soviel wie du dich öffnest und es kann jeder sein (den du lieben Kannst). Denn,- und das ist jetzt mein Fazit-, die Liebe ist bereits in uns. Ich wünsche dir schöne Ferien
    Liebe Grüße
    Alena

  3. Sabine sagt:

    Danke diese Frage stelle ich mir einige Zeit.
    Bin zu dem Ergebnis gekommen was waren meine Gedanken und Gefühle damals und welche Absicht stand dahinter. ???
    WELCHE Gedanken Absicht und Gefühl ist es jetzt.
    Eine Veränderung ist da.
    Deine Mail läßt mich noch mal hin schauen. Und die Frage ist wie stimmig ist es noch für mich und meinen Partner.
    Wo steht jeder und wo hin geht’s.
    Lieben Gruß Sabine

    • Liebe Sabine,
      den Aspekt von Absichten habe ich diesmal außer Acht gelassen. Aber der spielt natürlich auch immer eine ganz wichtige Rolle. Und ja, es lohnt sich immer, Veränderungen genau wahrzunehmen. Damit fangen viele Paartherapeuten an. Was hat Sie mal zusammengebracht und was ist heute anders? Und welche Gemeinsamkeiten gibt es noch? Ich drücke dir/euch die Daumen.
      Liebe Grüße
      Ingrid

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