Willenskraft im Kampf zwischen kurzfristig und langfristig

Willenskraft-Sprung von Fels zu Fels

Das innere Team

Wann brauche ich Willenskraft? Immer dann, wenn zwei Seiten in mir in unterschiedliche Richtungen zerren. Ein Modell, das sehr gut und alltagstauglich erklärt, warum wir oft gleichzeitig „hü“ und „hott“ wollen, ist das Modell des inneren Teams. Im NLP das Modell der inneren Anteile, was letztlich dasselbe ist. In mir gibt es viele verschiedene Anteile. Zwei Anteile, die sehr oft in Konkurrenz treten, sind der auf kurzfristige Befriedigung orientierte Anteil und der auf langfristigen Gewinn orientierte.

Typische Situationen. In denen beide aufeinanderprallen, finden sich viele im Alltag:

  • Esse ich den Schokoriegel und habe jetzt sofort ein Genusserlebnis oder verzichte ich, damit ich langfristig schlanker und gesünder bin?
  • Gehe ich laufen, damit es mir hinterher besser geht oder bleibe ich auf der Couch liegen und genieße jetzt das Faulenzen?
  • Lerne ich für die Prüfung, damit ich demnächst erfolgreich bestehe oder gehe ich mit den anderen auf die Party, damit ich jetzt was vom Leben habe?

Ich denke, jeder von uns kennt etliche Beispiele aus dem eigenen Alltag.

Aus meiner Sicht gibt es nicht den einen einzigen Königsweg, um mit diesem ständig präsenten Widerspruch erfolgreich umzugehen. Es gibt vielmehr verschiedene Erfolgsstrategien und die wohldosierte Mischung macht am Ende den Erfolg aus.

Die eigene Willenskraft stärken

Eine Variante ist die, die eigene Willenskraft zu stärken, um dem Anteil, der auf langfristige Erfolge abzielt, den Rücken zu stärken. Laut Kelly McGonigal, einer amerikanischen Gesundheitspsychologin, ist Willenskraft die Fähigkeit, Entscheidungen zugunsten der eigenen höchsten Werte und größten Ziele zu treffen, gerade auch dann, wenn ein Teil nicht will.

Der Nachteil an der Aktivierung von Willenskraft ist: Willenskraft steht uns nicht in beliebiger Menge zur Verfügung. Diverse Studien haben nachgewiesen, dass Willenskraft sich verbraucht. Deswegen muss sie immer wieder aufgeladen werden, wie ein Akku.

Außerdem wird unsere Willenskraft von vielen Einflussfaktoren geschwächt. Wer gestresst ist, zu wenig geschlafen hat, wer Angst hat oder sich Sorgen macht, verfügt über weniger Willenskraft.

Fünf Strategien zur Stärkung von Willenskraft

Deswegen empfiehlt Frau McGonigal fünf Strategien, um die eigene Willenskraft zu stärken:

  • Schlaf verbessern und Meditieren
  • Sich selber vergeben
  • Mit seinem zukünftigen Selbst in Kontakt treten
  • Das eigene Scheitern vorhersehen
  • Toleranz gegenüber Leiden trainieren

Womit identifizierst du dich?

Die meisten Menschen sind laut ihren Forschungsergebnissen mehr mit dem Teil ihrer Persönlichkeit identifiziert, der dem kurzfristigen Lustgewinn zugeneigt ist. Mit dem Teil, der längerfristige Ziele verfolgt sind sie nicht so stark identifiziert. Das heißt sie fühlen sich, als wenn dieser Teil nicht wirklich so sehr sie selbst wäre.

Das zukünftige Selbst

Deswegen ist es wichtig, immer wieder in guten Kontakt mit dem eigenen zukünftigen Selbst zu treten. Denn dadurch identifiziere ich mich sehr viel mehr mit meinen langfristigen Zielen. Am leichtesten geht das, indem ich mir selbst immer wieder assoziiert, will heißen, aus dem eigenen Erleben heraus, meine Zukunft vorstelle.

Wer schon mal einen neuen Job gesucht hat, weiß, wie nervig es sein kann, Bewerbungen zu schreiben. Erst recht, wenn man schon eine Weile dabei ist und entweder gar keine Antworten bekommt oder lauter Absagen. Dann sinkt natürlich der Motivationspegel irgendwann massiv.

Das heißt, jedes Mal, wenn ich mich ransetze, brauche ich wahrscheinlich mehr und mehr Willenskraft. Da hilft es dann enorm, sich jedes Mal vor dem Schreiben sich selbst glücklich und voller Motivation im neuen Job vorzustellen. Und wenn ich mehr Sport machen möchte, der Sport selbst aber am Anfang keinen Spaß macht, dann hilft es, sich ins durchtrainierte zukünftige Selbst zu projizieren.

Sich selbst vergeben

Wenn es dann trotzdem mal nicht klappt mit der Umsetzung der guten Vorsätze, ist es übrigens sehr viel günstiger, sich selbst zu vergeben, als durch ständige Schuldgefühle und Gewissensbisse sich selbst und damit auch die eigene Willenskraft zu schwächen. Und dann möglichst bald einen neuen Anlauf zu starten.

Natürlich gibt es noch viele andere Wege, um auf Dauer mehr und mehr die eigenen kurzfristigen Gelüste und das Verfolgen von langfristigen Zielen zu harmonisieren. Aber darüber ein anderes Mal mehr.

 Die Autorin: Ingrid Huttary, Coach für Selbstwirksamkeit und Lebensfreudeingrid-rund
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3 Antworten

  1. Alena sagt:

    Liebe Ingrid,
    danke dir, das war sehr hilfreich. Ganz besonders die Sache mit dem zukünftigen Selbst, wie auch die Strategien zur Stärkung der Willenskraft.
    Ich wünsche dir Frohe Ostern.
    Liebe Grüße
    Alena

  1. 1. November 2018

    […] oft die „Wurmwürgung“, anders ausgedrückt die Selbstkontrolle. Andere Schulen sprechen von Willenskraft, die schnell versagt und uns nur begrenzt zur Verfügung steht. Wurmwürgung findet sich im Alltag […]

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