Die VW-Regel für Führung und Alltag

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Als Manfred Prior die VW-Regel in seinen wunderbaren MiniMax-Interventionen veröffentlichte, gab es noch keine Skandale und VW stand noch für Produkte fürs Volk. Nun ist die VW-Regel zwar kein Produkt, aber eine tolle Idee für jedermann und jede Frau.

Wunsch statt Vorwurf

Die VW-Regel besagt, dass man jeden Vorwurf (V) in einen Wunsch (W) umformuliert. Klingt simpel, braucht aber natürlich ein bisschen Übung. Denn die meisten Menschen äußern dann Vorwürfe, wenn sie genervt oder enttäuscht oder wütend sind. Nach meiner Erfahrung gilt hier: Je intensiver das Gefühl, desto weniger Zugang zum Großhirn, dem Sitz des Verstands. Den aber brauche ich, um diesen einen kleinen Schritt der Umformulierung hinzubekommen.

Grobe Verallgemeinerungen vermeiden

Die meisten Vorwürfe werden als grobe Verallgemeinerungen geäußert. „Nie bekomme ich von Ihnen den Bericht pünktlich.“ „Immer lässt du alles rumstehen.“ „Immer muss ich alles alleine machen.“ Das hängt damit zusammen, dass ich in genervtem Zustand meist nicht sonderlich differenziert unterwegs bin. Wenn intensive Gefühle den gesamten Raum meines Denkens und Fühlens einnehmen, dann fühlt es sich in dem Moment an, als wäre es immer alles so.

Abstand gewinnen

Damit ich vom Vorwurf zum Wunsch komme, muss ich nun erst einmal wissen, was ich mir denn stattdessen wünsche würde. Dabei ist es völlig egal, ob ich als Führungskraft mich über einen Mitarbeiter ärgere, ob es der Partner ist oder der Kollege. Dafür muss ich etwas Abstand gewinnen zu meiner Empörung, damit ich dieses Bedürfnis überhaupt wahrnehmen kann. Dafür kann ich zum Beispiel die Methode von letzter Woche nutzen.

Die WWW-Formel

In meinen Seminaren kombiniere ich die VW-Regel meist mit der WWW-Formel. Dabei steht das erste „W“ für Wahrnehmung. Und auch dieses bewusste Wahrnehmen ist eine Methode, um Abstand zu gewinnen. Dabei geht es darum, wie auch beim Feedback geben, erst einmal das tatsächlich Wahrnehmbare so konkret wie möglich zu benennen. Ohne Verallgemeinerung, ohne Bewertung. Nach meiner Erfahrung gar nicht so einfach.

Konkrete Beschreibungen

Wenn ich die Beispiele von oben aufgreife, dann könnte das etwas so lauten: „Die letzten drei Berichte, haben Sie mit ein bis drei Tagen (oder Wochen) Verspätung abgeliefert.“ „Deine Kochtöpfe und dein Geschirr vom Mittagessen stehen noch unabgespült in der Küche.“ „Die letzten drei Mal habe ich den Müll rausgebracht und die Spülmaschine ausgeräumt.“ Hier macht nach meiner Erfahrung übrigens der Ton die Musik. Je nachdem, wie ich diese Beschreibung äußere, schwingt der Vorwurf bereits mit.

Wie wirkt das auf mich?

Das zweite „W“ steht für Wirkung. Und bietet einigen Spielraum, um zu äußern, welche Wirkung mir wichtig ist. Bei den Berichten kann dies den Arbeitsablauf der ganzen Abteilung stören oder nur mich aufhalten. „Das führt dazu, dass ich nicht weiterkomme bei XY.“ Hier kann ich auch äußern, was es mit mir macht. Das Beispiel mit der unaufgeräumten Küche stammt von einer Kollegin, deren Tochter eine zeitlang zu Hause studierte. Bei der Mutter lautete die Wirkung etwa so: „Ich kann mich nicht entspannen, wenn die Küche so unaufgeräumt ist.“ Was ihr aber nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag ein Bedürfnis war. Wirkung kann auch einfach mein Empfinden sein. Bezogen auf den Müll etwa: „Das finde ich nicht schön oder das finde ich ungerecht.“

Was wünsche ich mir stattdessen?

Und zu guter Letzt kommt als dritte „W“ der Wunsch aus der VW-Regel. „Deswegen ist es mir ein Anliegen, dass Sie die Berichte pünktlich abliefern.“ „Deswegen möchte ich dich bitten, die Küche aufzuräumen, bevor ich nach Hause komme.“ „Ich würde mir wünschen, dass du den Müll rausbringst.“

Übung macht den Meister

Manchmal höre ich, dass diese Art der Kommunikation aber umständlich sei und im Alltag nicht praktikabel. Oder dass das nicht authentisch sei und der Partner das sofort merken würde, dass es aufgesetzt ist. Wie fast alles im Leben, ist es meines Erachtens eine Frage der Übung, bis es authentisch und flüssig gelingt, so zu kommunizieren. Ich glaube allerdings fest an die positive Wirkung von dieser etwas achtsameren Art der Kommunikation.

 

Die Autorin: Ingrid Huttary, Expertin für souveräne Führung und gesunde Lebensbalance

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2 Antworten

  1. Avatar Angelika Reßler sagt:

    Liebe Ingrid, Danke schön für das Erinnern durch Deine tollen Vorträge an die Inhalte der Ausbildung bei Dir vor einigen Jahren. Mein Wunsch nach wieder arbeiten als Heilpraktikerin bzw Entspannungscoach hat einige Jahre der vollständigen Umsetzung gedauert. Jetzt gehe ich zum 01.01.21 in Rente und erfülle mir mir meinen Wunsch wieder. Es war ein erfahrungsreicher Weg und er geht weiter. Alles Liebe und weiterhin viel Erfolg. Angelika

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