Über Entscheidungen, Mut und die Angst vor dem eigenen Leuchten

ingrid singt

Über Entscheidungen, Mut und die Angst vor dem eigenen Leuchten

Ich habe mein erstes eigenes YouTube-Video produziert, in dem ich am Anfang singe – und es auch gleich auf Facebook verbreitet.  Das hat mich ganz schön viel Mut gekostet.

Mein erster Freund, damals war ich gerade mal 16, war Musiker. Ich konnte zu der Zeit überhaupt nicht singen. Und er bat mich dann auch, doch bitte in seiner Gegenwart nicht zu singen, das sei unerträglich. Seither habe ich Gesangsunterricht genommen, nicht lange, aber zumindest eine Zeitlang und ich singe in einem Chor. Und kann jetzt Melodien halten. Musikerin bin ich deswegen noch lange nicht.

One day baby we’ll be old

Aber seit letztem Sommer schwirrte mir dieses Lied durch den Kopf. Ein Kollege von mir spielte am Ende seines Vortrags zum Thema Selbstmotivation den Slam von Julia Engelmann ein, der sich auf die folgende Textzeile bezieht.

One day baby we’ll be old, oh baby we’ll be old and think of all the stories that we could have told.
Eines Tages werden wir alt sein, Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.

Peinlich oder mutig?

Seit einer Weile habe ich überlegt, diesen Songanfang, mitsamt Übersetzung zu nutzen und ihn dann selbst zu singen. Hatte aber ganz schön Schiss. Ist das wirklich eine gute Idee? Oder doch eine Schnapsidee? Positioniere ich mich damit wirklich vorteilhaft? Oder ist es nur peinlich und mache ich mich lächerlich?

Zum Glück hat meine Freundin und Grafikerin, als ich ihr davon erzählt habe, mich ermutigt, damit weiterzumachen. Und eine andere Kollegin und Freundin meinte: Du hast doch schon immer gern gesungen.

Ja, schon, aber reicht das, damit es auch gut rüberkommt? Und deswegen hat es mich ganz schön viel Mut gekostet, dieses Video zu posten.

Alles Neue erfordert Mut

Ich denke, immer wenn wir uns trauen, etwas ganz Neues zu tun, erfordert das Mut. Nicht nur, wenn wir Dinge tun, die uns nicht in die Wiege gelegt wurden, wie bei mir das Singen. Weil wir nicht wissen können, was dabei rauskommt. Christina Emmer zitierte letztens Andi Mittermaier mit dem Satz: „Ich hab ja sehr viele Ideen und – ‚kleine Pause‘ – die finden nicht immer alle so toll wie ich!“

Und selbst wenn andere die Idee vielleicht auch toll finden, können sie noch meine Umsetzung doof finden. Umso wichtiger ist es deshalb, dass zumindest schon mal ich stolz auf mich bin. Selbst wenn ich die Umsetzung nicht 100-prozentig geglückt finde. Und selbst dann, wenn es doch nach hinten losgeht.

Die Angst vor dem eigenen Leuchten

Außerdem schossen mir die Worte von Nelson Mandela durch den Kopf:

Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten! Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind, unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht. …

Habe ich also Angst vor meinem Leuchten? Davor mich tatsächlich zu zeigen? Oder sind meine Bedenken doch berechtigt? Wie bei so vielen Entscheidungen, bringt erst das Ergebnis in der Zukunft die Gewissheit. Ich konnte vor der Veröffentlichung nicht wirklich wissen, wie mein Video ankommt. Natürlich kann ich mein Bestes geben und hoffen, dass es dann gut ist. Echte Sicherheit über das Ergebnis konnte ich aber trotzdem keine haben. Weil das Ergebnis in der Zukunft lag. Und ich keine Hellseherin bin.

Sicherheit auch ohne Hellsehen

Nun ist aber Sicherheit ein existentielles menschliches Grundbedürfnis – auch bei mir. Deswegen brauchte ich eine andere Sicherheit, als die auf der Basis des Ergebnisses. Und die bestand in meinem Fall darin, dass ich, egal wie die Reaktionen auf das Video auch ausfallen, mir verspreche, stolz auf mich zu sein. Darauf, dass ich den nächsten Schritt gewagt habe, darauf, dass ich mich gezeigt habe, mit etwas, was mir am Herzen liegt. Auch wenn es noch nicht perfekt ist.

Gunter Schmidt beschreibt diese Form der Sicherheit sehr schön. Er sagt, dass bei Menschen, die sich schwer tun mit Entscheidungen, oft die einzige Sicherheit darin besteht, dass sie sich selbst eins auf die Mütze geben, wenn das Ergebnis nicht das gewünschte ist. Und dass sich diese Sicherheit verändern lässt. An der Schraube lässt sich immer drehen – egal wie das Ergebnis auch ausfällt.

Und deshalb habe ich beschlossen, stolz auf mich zu sein. Dass ich mich getraut habe, vor einer Kamera zu singen und mich damit zu zeigen.

Wie ist das bei dir? Was lässt bei dir den Puls höher schlagen? Was würdest du dich gern mal trauen? Und welches Versprechen kannst du dir geben, damit du dich trauen kannst? Wie willst du mit dir umgehen, egal was rauskommt?

Und hier kommt jetzt natürlich auch noch das Video:

 

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5 Antworten

  1. Monika Jansen-Horst sagt:

    Hi Ingrid,

    seit langem habe ich den Wunsch mich selbständig zu machen. Bisher habe ich mich einfach nicht getraut. Aufgrund einiger Umstände will ich es jetzt angehen: jetzt oder nie. Dein Text macht mir Mut, denn mein Sicherheitsbedürfnis ist echt eine Hürde. Dankeschön.

  2. Gina Kraft sagt:

    Liebe Ingrid!

    du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Danke! Und: keep singing and living your stories! G

  1. 4. Dezember 2016

    […] die du getroffen hast, zu diesem Zeitpunkt die bestmögliche war. Ich habe in meinem Artikel „Über Entscheidungen, Mut und die Angst vor dem eigenen Leuchten“ schon einmal auf Gunter Schmidts Aussage verwiesen, dass wir nie im Vorhinein wissen können, was […]

  2. 3. Mai 2017

    […] eine andere Variante der Sicherheit. Ich habe hier im letzten Sommer schon einmal über das Thema Mut und die Angst vor dem eigenen Leuchten geschrieben. Damals habe ich in einem öffentlichen Video gesungen. Und habe meine Sicherheit […]

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