Von Achtsamkeit und Schrubbern

Frau-mit-Putzwerkzeug zu Achte auf deine Gedanken

Von Achtsamkeit und Schrubbern

Achte auf deine Gedanken, denn sie haben mehr Einfluss als du denkst. Du findest hier bei mir immer Mal wieder interessante Forschungsergebnisse. Diesmal nutze ich die hoch spannenden Untersuchungen von Frau Professor Ellen Langer als Ausgangspunkt für meine Gedanken.

Glaub nicht, was du denkst

Ellen Langer hat vor knapp dreißig Jahren ein Buch veröffentlicht unter dem Titel „Mindfulness“ (Achtsamkeit). Allerdings geht es in ihrem Buch nicht um Meditationsformen oder um veränderte Wahrnehmungs- oder Bewusstseinszustände. Langer meint mit Mindfulness, sensibel zu werden, für das, was ich über mich und die Welt denke und die eigenen Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen immer wieder auch in Frage zu stellen.

Ich lehre selbst seit über 10 Jahren sowohl in meinen NLP-Ausbildungen als auch in meinen Seminaren zu Lebensbalance und Stressmanagement den Grundgedanken: „Nichts hat irgendeine Bedeutung, außer der, die ich ihm gebe.“ Und doch haben mich manche der Ergebnisse von Ellen Langers Studien überrascht.

Betten aufschütteln und Schrubber als Fitnessgeräte

So untersuchte sie zum Beispiel bei einer Reihe von Zimmermädchen, ob es sich positiv auf deren Fitness auswirkt, wenn sie ihren Job zum Sporttraining umdefinieren. Statt ihre Arbeit als mühselige Last zu erleben, sollten sie sie lieber als eine Art Training an unkonventionellen Fitnessgeräten begreifen. Mit Erfolg: Nach vier Wochen hatten die „sporttreibenden“ Zimmermädchen durchschnittlich ein Kilo abgenommen – allein durch die veränderte Einstellung zur Arbeit. Die Teilnehmerinnen in der Kontrollgruppe machten ihren Job mit derselben Haltung wie zuvor – und blieben gleich schwer.

Das Glück des Lebens hängt von der Beschaffenheit unserer Gedanken ab

Dieses Experiment ist eines von vielen, rund um die Erforschung der Frage: „Wie viel Macht haben unsere Gedanken über uns?“ Schon der römische Kaiser und Philosoph Mark Aurel soll gesagt haben: “Das Glück des Lebens hängt von der Beschaffenheit unserer Gedanken ab.”

Langers Studien belegen, wie wichtig es ist, immer wieder die eigenen Überzeugungen infrage zu stellen, damit sie nicht zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden. So besteht zum Beispiel eine weitverbreitete unbewusste Annahme darin, dass Menschen glauben, bei Gymnastik grundsätzlich nach zwei Drittel der Übungszeit zu ermüden. Als Beweis für diese Regel ließ Langer drei Gruppen von Probanden unterschiedlich viele Hampelmannsprünge machen: Alle drei Gruppen kamen nach etwa zwei Dritteln der Übung aus der Puste – absolut unabhängig davon, ob sie hundert, dreihundert oder fünfhundert Sprünge absolvieren sollten.

Mein persönliches Mindset geht bei der bloßen Vorstellung von 500 Sprüngen im Vorhinein in die Knie ;). Aber ansonsten kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Vorstellung davon, wie viel ich noch vor mir habe, großen Einfluss auf meinen Zustand hat.

Achte auf deine Gedanken

In meinem Artikel „Schlaghosen als Jungbrunnen“ hatte ich bereits einige Beispiele aus der Priming-Forschung zitiert, die seit Jahren untersucht, welchen Einfluss unbewusste Vorannahmen und auch unsere Umgebungen oder die Fokussierung auf bestimmte Wörter und Gedanken haben.

Da fällt mir dann immer gleich das folgende Zitat ein:

  • Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Deine Worte!
  • Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Taten!
  • Achte auf Deine Taten, denn sie werden Deine Gewohnheiten!
  • Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter!
  • Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal!

Vermutlich chinesisches Sprichwort, wird aber auch gern dem Talmud zugesprochen

Der Quatschie im Kopf

Jens Corssen, dessen Preisvergleich ich an anderer Stelle (Wo ich bin, will ich sein) bereits erwähnt habe, prägte das, wie ich finde sehr eindrückliche Bild vom „Quatschie“ im Kopf. Gemeint sind all die vielen Gedanken, die wir nicht bewusst herbeidenken. Vielmehr denkt es uns oft, d.h. in unseren Köpfen laufen permanent mehr oder minder bewusste Denkprozesse. Es quasselt halt so vor sich hin. Viele Menschen, ich beobachte es insbesondere bei älteren, führen diese Selbstgespräche irgendwann nicht mehr nur in ihren Köpfen, sondern durchaus auch laut. Oft ohne sich dessen bewusst zu sein. Und erst recht ohne sich bewusst zu sein, was sie da so vor sich hin reden und denken und welchen enormen Einfluss dieser ununterbrochene Gedankenfluss auf ihr Sein hat.

Uns immer wieder bewusst zu machen, was wir so denken und auf welchen Annahmen über die Welt unsere Handlungen beruhen, ist einer der wesentlichen Schlüssel zu mehr Handlungsspielräumen und letztlich zu mehr Lebenszufriedenheit.

Denn, wie weiter oben schon erwähnt: “Das Glück des Lebens hängt von der Beschaffenheit unserer Gedanken ab.”

In meinem Buch „Wir können auch anders… Wege zu mehr Glück, Zufriedenheit und innerer Freiheit“, habe ich deshalb ein kleines Experiment vorgeschlagen:

Übung: Achtsamkeit trainieren

Versuche einmal einen halben Tag lang, niemanden in deiner Umgebung abzuwerten. Nicht den Autofahrer, der so langsam vor dir fährt, nicht den Raser, der dich schneidet, nicht den Mann, der dich in der U-Bahn anrempelt, nicht den Kollegen, der etwas nicht erledigt hat oder nicht grüßt …

Wichtig: Sei geduldig und ebenso gnädig mit dir selbst. Wann immer du dich dabei ertappst, dass du doch wieder mit den Kollegen gemeinsam über jemanden gelästert hast, dass du dich über den Raser ärgerst und diesen verwünschst – lächle über dich selbst und wandle den Gedanken um.

Übung: Kläranlage des Geistes

Einen Weg, um sich den eigenen permanenten Gedankenfluss präsent zu machen und auch, um ein Ventil dafür zu schaffen, habe ich bei Vera F. Birkenbihl gefunden: die Übung „Kläranlage des Geistes“. Die funktioniert folgendermaßen: Du schreibst 10 Minuten am Tag, so schnell du kannst, egal ob von Hand oder am PC, wichtig ist nur, dass du ununterbrochen schreibst, d.h. der Stift oder die Finger auf der Tastatur sind permanent in Bewegung. Und wenn dir nichts einfällt, dann schreibst du eben, mir fällt gerade nichts ein. Dadurch, dass du dir nicht die Zeit nimmst, bewusst Nachzudenken, sondern eben einfach schreibst, kommst du in Kontakt mit den vorbewussten und unbewussten Gedanken. Auf die Art und Weise klärst du eine Menge dieser halbbewussten wiederkehrenden Schleifen im Hirn, die da den ganzen Tag so „rumwabern“.

Die Fortgeschrittenen-Variante

Wenn du das eine Zeitlang gemacht hast, kannst du die – nach Birkenbihl – Goethevariante ausprobieren: Du liest, was du früher mal so geschrieben hast und machst damit heute weiter. Diese Übung ist in der Regel sehr erhellend, denn du bekommst auf die Art und Weise mal mit, was das, was dir im Außen begegnet, mit dem zu tun hat, was „dich im Innen so denkt“. Ich habe das mal ein paar Monate lang gemacht und fand es wirklich sehr klärend und entgiftend. Viel Spaß beim Ausprobieren.

Dieser Artikel ist Teil der Advents-Blogparade Oldies but Goodies von Heide Liebermann. Lauter Blogartikel, die noch aktuell sind, aber bereits vor einiger Zeit schon einmal online gegagnen sind. Das Themenspektrum ist breit gefächert: Es sind Beiträge aus dem Bereich Coaching und persönliche Entwicklung dabei und auch Artikel zu Gesundheit und Ernährung. Neugierig. Dann schau einfach mal vorbei: Adventsblogparade “Oldies but Goodies von Heide Liebmann.

 

 

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11 Antworten

  1. Super Artikel, liebe Ingrid, sehr inspirierend!

  2. Gute Anregungen und so schön kompakt auf den Punkt gebracht, vielen Dank.

  3. Super Ingrid. Da fallen mir doch gleich die Morgenseiten wieder ein von Julia Cameron aus ihrem Buch “Der Weg des Künstlers” wieder ein. Das habe ich tatsächlich mal einige Jahre lang geschafft, jeden Morgen als erstes 3 Seiten schreiben…. Das hat mir damals sehr gut getan. Vielleicht nehme ich deinen Artikel jetzt als Anregung wieder damit zu beginnen. Herzliche Grüße

  4. Merve sagt:

    Liebe Ingrid,

    super spannend, danke! Ich schaue in letzter Zeit häufiger, welche Gedanken durch meinen Kopf laufen. Und wenn sie kontraproduktiv sind, unterbreche ich sie. Wenn es mir auffällt…

    Was mir noch nicht ganz klar ist: “…die Goethevariante ausprobieren: Du liest, was du früher mal so geschrieben hast und machst damit heute weiter.”

    Wie mache ich dann damit weiter?

    Liebe Grüße
    Merve

  5. Angelika sagt:

    Liebe Ingrid, vielen Dank für wieder einen tollen Beitrag. Ich werde das Aufschreiben mal ausprobieren. Liebe Grüße Angelika

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