Haltung und Akzeptanz: ein Widerspruch?

Akzeptanz und Haltung - verwirrte Frau

Andersartigkeit akzeptieren

Nachdem ich neulich über mein großes Bedürfnis nach Zuverlässigkeit geschrieben habe und über meinen Ärger, dass andere da so ganz anders drauf sind, begegnete mir wenige Tage später ein Post über Akzeptanz. Irgendwie fühlte ich mich so ein bisschen ertappt. Meine Werte sind meine Werte. Andere dürfen andere haben. Klar ist, dass es mir deutlich leichter fällt, Andersartigkeiten zu akzeptieren, die nicht gegen meine höchsten Werte verstoßen.

Wo ziehe ich die Grenze?

Interessant ist für mich die Frage: Wie viel Toleranz und Akzeptanz tut mir gut und wo ziehe ich wie meine Grenze? Eine meiner Leserinnen schrieb mir als Reaktion auf meinen Artikel zur Zuverlässigkeit, dass sie im Zuge einer intensiven Persönlichkeitsentwicklung für sich mehr Klarheit entwickelt hat. Und dass damit auch Menschen aus ihrem Umfeld „verschwanden“.

Der kategorische Imperativ

Immanuel Kant postulierte schon im 18. Jahrhundert: «Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt». Als Trainerin für Stressmanagement, für Wege zur Gelassenheit und für Resilienz plädiere ich ganz häufig dafür, sich weniger aufzuregen. Andere sind anders. Jeder hat sein eigenes Modell der Welt.

Kannst du es ändern?

Oft ist meine Herangehensweise da ganz pragmatisch: Kannst du es ändern? Dann setz dich ein. Und sonst lass es los. Und je weiter weg, desto sinnloser wird das ganze Echauffieren. Es nützt einfach nichts, sich über den Bundestrainer, Politiker oder auch Vorgesetzte aufzuregen, wenn ich nicht bereit bin, den empörten Worten auch Taten folgen zu lassen.

Was ist mir wichtig?

Und zugleich finde ich es wichtig, dass ich bei aller Gelassenheit, bei aller Akzeptanz und Toleranz eine klare Haltung entwickle. Wofür stehe ich? Was ist mir wichtig? Wo sind meine Grenzen? Dabei fällt mir dann auf, dass ich dadurch dann doch oft wieder wertend unterwegs bin. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass „Werte“ und „wertend“ aus derselben Wortfamilie kommen.

Ich bin nicht Buddha

Viele Achtsamkeits- und Gelassenheitslehren plädieren dafür, wenig bis gar nicht zu werten. Ich sage manchmal in meinen Seminaren und Coachings: Ich bin nicht Buddha und ich will es auch nicht werden. Als Teenager hatte ich schon lauter Zitate an meinem Schrank kleben, damals noch alle von Hand irgendwo abgeschrieben. Wie zum Beispiel den Kantschen Imperativ: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.” Haltung war mir schon immer wichtig.

Der ethische Rahmen

Im NLP gibt es die Grundannahmen. Viele davon finde ich auch wieder gut geeignet, um einen ethischen Rahmen zu bilden. Wahrscheinlich mag ich sie deswegen so. Hier stehen dann allerdings eher die Einladungen zu Akzeptanz und Toleranz, wie etwa: Es gibt keine richtigen und falschen Modelle der Welt. Oder: Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.

Ich bin nicht immer Coach

Beide Sätze sind für mich als Coach unerlässlich. Aber nicht alle Menschen sind meine Coachees und ich würde auch nicht jeden coachen. Und deswegen handle ich schon auch so, wie meine oben erwähnte Leserin. Indem auch mein Freundeskreis sich sortiert danach, ob Menschen ähnliche Werte haben wie ich und damit ähnliche Modelle der Welt. Natürlich muss nicht jeder, den ich schätze, genau dieselben Dinge wichtig finden wie ich. Das wäre dann ja langweilig. Aber es darf nicht zu weit auseinander klaffen.

Akzeptanz ist mir wichtig

Wenn ich Menschen schätze, ist mir dann wieder Akzeptanz ganz wichtig. Und auch in der Zusammenarbeit ist es wichtig, zu akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich ticken. Gerade in Beziehungen und unter Kollegen ist es oft ein Stimmungskiller, wenn wir glauben, dass unsere Auffassung oder unsere Art etwas zu tun besser oder richtiger ist.

Ich „pfeife“ mich zurück

Mir passiert das schon auch. Weil ich ja oft eine klare Meinung habe, was ich gut finde. Und weil ich zwar finde, dass es keine richtigen und falschen Modelle der Welt gibt. Das heißt aber nicht, dass es nicht Verfahren oder Regeln gibt, die verabredet sind und die einzuhalten ich für sinnvoll halte.

Und dann merke ich manchmal, dass es gerade angemessener wäre, mir auf die Zunge zu beißen und mich daran zu erinnern, dass andere anders sind. Und anders sein dürfen. Vielleicht kennst du das von dir auch, dass du dich ärgerst, weil jemand etwas nicht so macht, wie du es für sinnvoll oder richtig erachtest.

Die eigene Betrachtungsweise als Möglichkeit sehen

Unser eigenes Modell der Welt fühlt sich halt am stimmigsten an. Logisch. Gerade auch in der Paarbeziehung lohnt es sich deswegen immer wieder, die eigene Betrachtungsweise als eine Möglichkeit Dinge und Handlungen wahrzunehmen zu sehen und nicht als die richtige Art zu sein. Theoretisch ganz einfach, aber nach meiner Erfahrung in der Praxis oft nicht leicht. Aber auf jeden Fall lohnenswert.

Was meinst du?

Die Autorin: Ingrid Huttary, Mindset-Expertin für souveräne Führung und gesunde Lebensbalance

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6 Antworten

  1. Romana Bauer sagt:

    Liebe Ingrid, danke für deinen Blog. Ich lese ihn jeden Donnerstag und bin immer ganz gespannt, welches Thema Du aufgreifst. Der heutige Beitrag hat mir geholfen, Kränkungen, die ich meiner Meinung nach, erfahren habe, besser zu verstehen. Nach der Leküre deines Beitrags konnte ich mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren. Wo ich noch hadere, ist die Tatsache, dass durch Bewertungen Kränkungen entstehen und auf diese müssen Entscheidungen folgen, die notwendig sind. Allerdings fürchte ich, dass Entscheidungen schmerzhaft sind. Sie tragen aber wahrscheinlich zur Akzeptanz und zur Klärung bei. Ich bin noch immer in einem Findungsprozess – aber auf einem guten WEG – dank deines Blogs!

    • Liebe Romana,
      danke dir! Das freut mich, wenn mein Blog dich unterstützt, deinen Weg zu finden und zu gehen. Ja, manchmal sind Entscheidungen zunächst schmerzhaft. Um mich qualifiziert dazu zu äußern, wie sie zu Akzeptanz und Klärung beitragen, müssten wir diese schönen Nominalisierungen, sprich diese Wörter, die die Akteure eliminieren, zurückverwandeln in Verben. Wer akzeptiert was und was wird dadurch wiederum klarer? Wer reagiert worauf damit, dass er es bewertet und wie kränkt er oder sie damit wen? Und was wünschst du dir stattdessen? D usiehst, ich liebe Fragen. Und ich wünsche dir weiterhin viele Erkenntnisse und ganz viel Wertschätzung – auch wieder ein Wort mit “Wert”.
      Alles Liebe
      Ingrid

  2. Angelika Streblow sagt:

    Danke schön Ingrid, Dein heutiger Block hat mir sehr geholfen, loszulassen und meine Kinder anzunehmen, so wie sie sind. Ihre eigenen Erfahrungen, sie machen zu lassen, auch wenn ich sie vor manchen gerne bewahren möchte. Liebe Grüße Angelika

    • Liebe Angelika,
      ach wie schön. Das ist für mich natürlich immer am Allerschönsten, wenn meine Beiträge solche tiefgreifenden Veränderungen bewirken. Ich wünsche dri eine wundervolle Beziehung zu deinen Kindern, mit vielen positiven Überraschungen und Glücksmomenten.
      Alles Liebe
      Ingrid

  3. Michael Nickel sagt:

    Liebe Ingrid, unglaublich – aber nachdem ich deinen Newsletter über Haltung und Akzeptanz (oder Wertung und Verurteilen?) gelesen habe, öffne ich ohne es vorher zu ahnen einen Meditationstext von Deepak Chopra über Urteilen und Verzeihen. Irre wie Resonanz funktioniert!
    Dabei ist mir der Gedanke gekommen, ob Werte nicht ganz natürlich zu einem Urteil führen, das aber nicht zum Ver-Urteilen führen muss. Damit wäre ich dann in der Abwertung der anderen Person. Ich kann und will auch zu meinen eigenen Werten stehen und sie auch leben gegenüber anderen Menschen; ich will mir aber nicht anmaßen deren Weltsicht zu verurteilen und meine als die bessere darzustellen. Sie ist, wie du richtig sagst, nur eine andere, die mir gemäß ist. das heißt wenn Werte zu Be-Wertung führen überschreiten sie eine Grenze.
    Nur eine kleine Anmerkung zu deinen sehr inspirierenden Blog-Beiträgen. Vielen Dank dafür. Michael

    • Lieber Michael,
      da bin ich bei dir, Abwertung ist nicht günstig. Danke dir für deinen Beitrag. Ab und an werde ich mich daran erinnern, wenn ich versucht bin, meine Werte über die von anderen zu stellen.
      Liebe Grüße
      Ingrid

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