Sinnhaftigkeit als Weg aus der Isolation

Blick aus dem Fenster zum Beitrag Sinnhaftigkeit
Das ist der Blick aus dem Fenster von meinem Arbeitszimmer

Wir bleiben zu Hause

#stayhome, #wirbleibenzuhause ist derzeit nahezu weltweit die Lösung, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und damit die Überforderung der Gesundheitssysteme so gut es geht zu reduzieren. Mit dem Ziel, so viele Schwererkrankte wie möglich bestmöglich zu versorgen und die Sterblichkeitsrate so niedrig wie möglich zu halten.

Sinnhaftigkeit als Lösung

Wir bleiben also zu Hause. Und damit gehen unterschiedliche Herausforderungen einher. Für die einen geht es darum, halbwegs Harmonie in der jetzt zwangsweise ständig vereinten Familie zu behalten. Für andere besteht die Herausforderung im Alleinsein. Und hier kommt jetzt die Sinnhaftigkeit ins Spiel.

Gegen die Langeweile

Wer in letzter Zeit sehr viel zu tun hatte, ist vielleicht zunächst ganz froh, mal durchschnaufen zu können. Doch das süße Nichtstun wird in seiner Attraktivität meist völlig überbewertet, siehe dazu auch meinen Beitrag über den Flowkanal. Schnell treten Langeweile und Trägheit auf den Plan, wenn wir plötzlich nichts mehr tun „müssen“, vieles einfach auch nicht mehr tun dürfen.

Sinnvolle Beschäftigung suchen

Deswegen ist es gerade jetzt in Zeiten von Isolation so wichtig, sich eine sinnvolle Beschäftigung zu suchen. Dabei ist vor allem wichtig, dass mir selbst die Aufgabe oder Betätigung sinnvoll erscheint. Meine Nachbarn nutzen die Zeit, um ihre Wohnung zu renovieren, meine 20-jährige Tochter malt gerade ganz viel, andere nutzen die Zeit, um endlich mal gründlich aufzuräumen oder auszumisten. Ich selbst beschäftige mich naheliegender Weise mit dem Thema Onlinelernen, weil ja nicht absehbar ist, wann meine Präsenzseminare wieder im gewohnten Rahmen stattfinden können.

Sich einen Plan machen

Die Herausforderung für viele besteht darin, in Aktion zu kommen. Denn je mehr Zeit wir haben, umso länger brauchen wir oft, um loszulegen. Dagegen hilft auch die Sinnhaftigkeit des Vorhabens nur bedingt. Deswegen mache ich mir täglich einen Plan, was ich alles schaffen möchte. Manchmal mache ich ihn am Vorabend, manchmal erst morgens. Ich mache meine Pläne immer handschriftlich, weil ich das Durchstreichen der erledigten Aufgaben sehr genieße.

Rituale nutzen

Außerdem finde ich Rituale sehr hilfreich. Mit festen Ritualen kann ich meinem Tag Struktur geben, auch wenn von außen keine vorgegeben ist. Ich habe es hier ja schon erwähnt, dass ich jeden Morgen – auch schon lange vor dem allgemeinen Kontaktverbot – Kapalabhati mache, eine Atemübung aus dem Yoga, der viele positive Wirkungen zugeschrieben werden, so zum Beispiel, dass sie die Lungen reinigt, Herz, Leber und Magen massiert und das Blut entsäuert. Ob es wirklich stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber eine tägliche Atemübung zu praktizieren, kann meines Erachtens in diesen Zeiten nur gut sein 😉 .

Sport mit Youtube

Da ich derzeit nicht zum Fitness gehen kann, habe ich meinen Sport in mein Arbeitszimmer verlegt. Nach dem morgendlichen Kapalabhati nutze ich dafür Youtube Videos von Menschen, die angenehm anleiten und mir sympathisch sind, z.B. Mady Morrison.

Frühlingsspaziergänge

Ich habe gegenüber ganz allein lebenden Menschen den großen Vorteil, dass ich meine Töchter und meinen Mann hier habe. Das ist natürlich sehr viel weniger Isolation als ganz allein zu Hause zu sitzen. Im Laufe des Vormittags frühstücken wir irgendwann zusammen, manchmal gehen mein Mann und ich noch etwas raus und genießen den aufkommenden Frühling.

Klein anfangen

Und zwischen diesen Aktivitäten arbeite ich meine Liste ab, der Dinge, die ich für sinnvoll erachte und in dieser seminarfreien Zeit angehen möchte. Wenn ich mal auf etwas so gar keine Lust habe, dann überliste ich mich, indem ich „klein anfange“, siehe dazu auch den Beitrag zur Kraft des Momentums. Ich setze mir ein Minimalziel, meist ein zeitliches, 10 Minuten oder weniger. Meist bin ich dann drin in der Aufgabe und mache länger weiter. Manchmal entsteht aber auch so gar kein Flow und dann höre ich erst einmal wieder auf.

Struktur und Sinnhaftigkeit erzeugen

Vielleicht ist jetzt für all jene, die plötzlich zu Hause sitzen und ihre „normalen“ Tätigkeiten gerade nicht ausüben können, die Zeit gekommen, ganz neue Beschäftigungen und Aktivitäten zu suchen. Irgendetwas, das Spaß macht und für einen selbst Sinn ergibt. Wer es schafft, für sich in dieser ver-rückten Zeit Struktur und Sinnhaftigkeit zu erzeugen, geht vermutlich sogar gestärkt aus ihr hervor. Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Soziale Kontakte

Zum Glück gibt es für uns alle Telefon, Chats und Videotelefonie. In normalen Zeiten fehlt uns oft die Zeit, Verwandte oder Freunde zu treffen. Da viele jetzt zu Hause sitzen, ist dies vielleicht genau die richtige Zeit, mal wieder Kontakte zu pflegen. Klar, nicht live und mit Küsschen und Umarmung. Aber wenigstens telefonisch oder per Skype, Facetime, Whatsappcall oder Zoom, meinem bevorzugten Tool für Onlinemeetings.

Anderen helfen

Anderen helfen oder Freude bereiten, gehört laut Glücksforschung mit zu den Aktivitäten, die glücklich machen und gut gegen Depression sind. In meiner Nachbarschaft nehme ich eine große Welle von Angeboten wahr, um insbesondere den älteren Menschen beizustehen. Vielleicht fällt dir jemand ein, der sich freut, wenn du dich mal wieder meldest. Vielleicht braucht gerade jemand dein offenes Ohr. Vielleicht kennst du Familien mit kleinen Kindern, in denen die Eltern froh sind, wenn mal jemand den Kindern eine Geschichte vorliest oder über Videotalk mit ihnen Ratespiele o.ä. macht. Anderen zu helfen, gehört für mich auf jeden Fall auch zu den sinnvollen Beschäftigungen.

Was machst du derzeit? Hast du mehr Zeit? Oder gehörst du zu jenen, die eher verzweifeln, weil ihnen alles über den Kopf wächst?

 

Die Autorin: Ingrid Huttary, Coach für Führung und Selbstführung

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5 Antworten

  1. Viele praktische, leicht auszuführende Vorschläge, vielen Dank

  2. Liebe Ingrid! Deine Worte tun-wie immer-soooo gut, danke sehr. Besonders fein finde ich, dass Du empfiehlst, den Plan aufzuschreiben, um dann das Erledigte auszustreichen. was ich auch derzeit sehr schätze, sind die Klarheit und Nähe mit Menschen, die tatsächlich gute Freunde sind – das zeigt sich jetzt besonders deutlich. Dir alles, alles Gute, von Herzen Claudia

    • Liebe Claudia, vielen lieben Dank! Ich freue mich immer sehr, wenn ich merke, dass meine Beiträge ankommen. Dann erst macht es ja auch für mich Sinn, weiterzuschreiben.
      Liebe Grüße nach Wien, bleib schön gesund und genieße trotz allem den Frühling Ingrid

  1. 3. April 2020

    […] Im Umgang mit meiner Ambivalenz hilft mir die Grundhaltung von „Annehmen, was ist.“ Ich weiß zwar nicht, ob all die Maßnahmen sinnvoll sind, um ehrlich zu sein, ich zweifle stark an der Angemessenheit. Aber da ich nicht weiß, ob sie nicht vielleicht doch sinnvoll sind, akzeptiere ich den Ist-Zustand. Bleibe zu Hause, genieße den Frühling und das zum Glück derzeit meist schöne Wetter. Und beschäftige mich sinnvoll, wie letzte Woche beschrieben. […]

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