Die Krux mit der Angst

Angst-junger-Mann

Die Krux mit der Angst

Hör auf, vor dem Angst zu haben, was schief gehen könnte, und fang an, dich für das zu begeistern, was gut laufen könnte. „Stop being afraid of what could go wrong and start being excited of what could go right.” So lautet die Aufforderung von Anthony Robbins, die mir letztens auf Facebook begegnet ist.

Klingt logisch, klingt sinnvoll, klingt weise. Doch dummerweise ist der Teil unseres Gehirns, der für genau diese Voreinstellung zuständig ist, nicht zugänglich für logische und sinnvolle Weisheiten.

Die Voreinstellung „ab Werk“

Unser Gehirn ist quasi „ab Werk“ auf Risikovermeidung voreingestellt. Das hat sich im Laufe der Evolution fürs Überleben bewährt. Wir sind die Nachfahren derer, die eben im Zweifel lieber vorsichtig waren, die Nachfahren derer, die lieber einen großen Umweg in Kauf nahmen, als dass sie das Risiko eingingen, auf eine Schlange zu treten oder vom Säbelzahntiger gefressen zu werden.

Das lässt sich sogar messen: Die Intensität der Gefühle bei Verlusten ist ungleich höher als die bei Gewinnen in gleicher Höhe. Und auch Ärger und Niedergeschlagenheit empfinden wir schneller und heftiger als Freude. Und deswegen schwenken wir oftmals die weiße Fahne bereits vor möglichen Gegnern oder Gefahren ohne ihnen tatsächlich zu begegnen.

So reicht oft schon die Vorstellung, dass ich lästig sein könnte, wenn ich anrufe, um lieber 100 mal 08/15 Bewerbungen zu verschicken, als einmal bei meiner Traumfirma anzurufen und den direkten Kontakt zu suchen. Dann sitze ich lieber und feile noch ein paar Wochen an meiner neuen Homepage, statt damit rauszugehen und womöglich auch kritische Reaktionen zu ernten. Denn bereits eine kritische Stimme löst ja zunächst in der Regel intensivere Gefühle aus als fünf lobende – und leider eben die weniger schönen.

Wer Risiken scheut, ist damit nicht allein

Die gute Nachricht an dieser Stelle lautet also: falls du dich selbst immer mal wieder dabei ertappst, dass du Risiken scheust – du bist damit nicht allein und bis zu einem gewissen Grad ist es normal und gesund. Allerdings eben nur bis zu einem gewissen Grad. Denn wenn ich der Vorsicht zu viel Raum gebe, dann passiert wenig Neues in meinem Leben. Dann läuft mein Leben in eingefahrenen Bahnen, es ist zwar vielleicht sicher, aber eben auch lauwarm und langweilig. Und wenn ich das Risiko zu Scheitern nicht eingehe, dann laufe ich stattdessen Gefahr, sehr wenig von dem zu bekommen, was ich mir wünsche, sehr wenig von dem zu erreichen, was ich gern im Leben erreichen würde.

Anthony Robbins begnügt sich deshalb auch nicht mit seinem eingangs erwähnten guten Rat, sondern er hat ein sehr ausgefeiltes Repertoire, um Zugang zu bekommen, zu den „Schrauben“ im Gehirn, die es zu drehen gilt. Bei ihm bin ich zum Beispiel zum ersten Mal der Idee begegnet, Referenzerfahrungen zu sammeln.

Sammle Referenzerfahrungen und mach es trotzdem

Wenn ich ein Risiko eingehe, dann weiß ich vorher nicht, ob es funktioniert. Ich kann nicht wissen, ob ich gut bin, wenn ich etwas nicht tue oder bisher selten getan habe. Ich kann es nur rausfinden und vor allem, ich kann nur gut werden, wenn ich es tue – immer und immer wieder. Dadurch sammle ich Referenzerfahrungen und im Tun entwickle ich mich. Und dafür ist „Trotzdem“ das Zauberwort. Ich habe zwar Angst, aber ich mache es trotzdem! Ich weiß zwar noch nicht sicher, ob es mir gelingen wird, aber ich mache es trotzdem. Ich könnte mich blamieren, aber ich riskiere es trotzdem.

Und wenn es um das Thema Angst geht, dann empfiehlt es sich nach meiner Erfahrung auch, mal nicht auf den eigenen Körper zu hören. Sonst bin ich ja sehr dafür, der eigenen Intuition zu vertrauen und die Weisheit, die in körperlichen Signalen und Symptomen steckt, einzubeziehen. Wenn es jedoch darum geht, meine eigene Angst zu überwinden, dann gehe ich schon mal über körperliche Signale hinweg und mache es trotzdem – obwohl der Angsthase in mir sich alle Mühe gibt, mir die verschiedensten Symptome zu schicken, um mich zu beschützen.

Das Muster auflösen

Oft ist es mit einfach „trotzdem“ allerdings nicht getan. Weil die Angst tief sitzt und sich auch von Erfolgserlebnissen nicht unterkriegen lässt. So bekam zum Beispiel eine Coachingklientin von mir jedes Mal vor Aufführungen, die sie inszenierte und organisierte, monatelang immer wieder massive Panikattacken. Obwohl sie schon mehrfach die Erfahrung gemacht hatte, dass sie wunderbare Aufführungen hingezaubert hatte. Ein bisschen Lampenfieber lässt sich gut mit „trotzdem“ bewältigen, massive Prüfungsangst nicht. Wie eingangs geschrieben, ist dem Teil des Gehirns, der derartige Panik produziert, nicht mit Vernunft und Logik beizukommen. Da geht es dann darum, den tief verankerten Bewertungsmustern auf die Spur zu kommen und diese aufzulösen. Zugang zu tiefsitzenden Mustern bieten unterschiedlichste Coachingmethoden. Ich selbst variiere und modifiziere – hier dann wieder meinem Körper vertrauend intuitiv – je nach Klient das Angebot, das ich den Betroffenen mache.

Der oben erwähnten Klientin ist es gelungen, in nur einer Sitzung ihr Muster weitestgehend aufzulösen. Zur Unterstützung und Verankerung im Alltag hat sie noch eine starke positive körperliche Reaktion mitgenommen, die sie sich immer mal wieder in Erinnerung rufen konnte. Auf die Art und Weise ist es ihr gelungen, die Monate vor der nächsten Aufführung in einem guten Zustand zu verbringen – mit lediglich zwei deutlich schwächeren kleinen Rückfällen in die Angst.

Welche Strategien nutzt du im Umgang mit Ängsten? Was kannst du empfehlen?

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3 Antworten

  1. Liebe Angelika, in Tiefenentspannung loslassen klingt auf jeden Fall vielversprechend. Angst vor Ablehnung hat nach meiner Erfahrung immer viel mit Selbstliebe und Selbstakzeptanz zu tun und da finde ich auch immer wieder kleine Zeitreisen in frühere auslösende Situationen hilfreich, um Selbstliebe ganz tief zu verankern. Am besten mit jemandem, der dich führt.

  2. Angelika sagt:

    Meine Art damit umzugehen, ist es sich der Angst bewusst zu machen, das ist ein ganzes Stück Arbeit mein EGO zu überlisten und geht nur , wenn ich bereit bin, mich ganz auf mich und die Liebe zu mir einzulassen. Ich versuche die Gefühle über eine Tiefenentspannung loszulassen, welche mit diesem Thema, in meinem Fall “Ablehnung” verbunden sind. Außerdem habe ich das wunderbare Werkzeug “ankern” in der NLP-Ausbildung gelernt. 🙂

  3. Angelika sagt:

    Liebe Ingrid,
    das ist genau zurzeit mein Thema. Es wieder zu versuchen, auch wenn ich schon abgewiesen wurde (z. Bz. Gehaltserhöhung) Das Thema Ablehnung löst bei mir eine Starre, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit aus. Aber in meinem Gehirn ist dieses Gefühl noch immer nicht gelöst. Ich arbeite daran.

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