Bist du ein Handlungszwerg?

Handlungszwerg

Bist du ein Handlungszwerg?

„Wir sind Wissensriesen, doch allzu oft Handlungszwerge.“ Dieses Bild stammt vom Professorenteam aus St. Gallen Rolf Wunderer und Heike Bruch. Am Wochenende habe ich in der Coachingausbildung, in der ich seit ein paar Monaten den NLP Part übernommen habe, mit den Teilnehmern über dieses weit verbreitete Phänomen gesprochen.

Den meisten Menschen geht es so. Und zwar in den unterschiedlichsten Bereichen.

  • Wer abnehmen will, weiß oft ganz viel über diverse Formen von Diäten, weiß theoretisch was gut und richtig wäre, aber…
  • Viele Menschen für die Zeit ein wichtiges Thema ist, haben etliche Bücher über Zeit- und Selbstmanagement im Regal stehen, viele haben die Bücher sogar gelesen – und dann…
  • Seminarteilnehmer saugen begeistert die verschiedensten Inhalte auf, finden vieles einleuchtend, doch dann …

Es gibt keinen Zaubertrank

Manchmal denke ich, es müsste eine Art Zaubertrank geben, der dazu führt, dass ich all die guten Vorsätze, all die spannenden Dinge, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, tatsächlich umsetze und in meinen Alltag integriere. Am liebsten natürlich mit großer Leichtigkeit.

Was macht es eigentlich so schwer, wirklich ins Tun zu kommen? Meines Erachtens gibt es hier nicht die eine einfache Antwort. Gäbe es diese eine einfache Antwort, gäbe es vielleicht auch das eine einfache Zaubermittel.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Zum einen hängt es einfach damit zusammen, dass wir Menschen ausgeprägte Gewohnheitstiere sind (siehe auch meinen Artikel zum neuen Jahr und Gewohnheiten). Was günstig ist, bei guten Gewohnheiten. Was es aber eben auch schwer macht, ungeliebte Gewohnheiten abzulegen oder neue Gewohnheiten in den Alltag zu integrieren. Am einfachsten funktioniert es, etwas Neues zu integrieren, wenn wir es in ganz kleinen Schritten in unseren Alltag „einschleusen“ können, am besten noch, indem wir es an bestehende Gewohnheiten ankoppeln.

Klein anfangen

Wenn ich mehr Obst oder Gemüse essen möchte, gelingt es am einfachsten, wenn ich klein anfange. Wer sich bisher morgens nur schnell einen Kaffee im Stehen getrunken hat, bevor er aus dem Haus stürzte wird scheitern, wenn er sich gleich vornimmt, täglich einen Obstsalat zu schnippeln oder einen Smoothie aus Obst und Gemüse zuzubereiten, für den er morgens 20 Minuten braucht. Der Schritt ist zu groß. Wer hingegen einfach mit einer Kiwi oder einem Apfel zusätzlich zum Kaffee beginnt, hat größere Aussichten auf Erfolg, damit durchzuhalten.

Veränderung auf Probe

Auch definierte Probezeiträume machen es leichter, durchzuhalten. Ich esse jetzt erst einmal für die nächsten zwei Wochen täglich einen Apfel. Und am Ende der zwei Wochen überprüfe ich, ob mir das gut getan hat und verlängere ggf. den Zeitraum. So ein Probezeitraum sorgt dafür, dass ich einerseits mehr Verbindlichkeit in mein Vorhaben bringe. Andererseits erschlägt mich das Vorhaben nicht gleich so, weil es ja überschaubar bleibt. Nach drei bis vier Probezeiträumen kann ich dann schauen, ob ich das nächste Vorhaben angehe oder das bisherige erweitere.

Definiere die Ausnahme

Für das Etablieren von festen Gewohnheiten ist es hilfreich, möglichst keine Ausnahmen zuzulassen. Denn Ausnahmen sind oft der Anfang vom Ende. „Nur heute mal“ führt schnell dazu, dass eine gute Gewohnheit wieder ins Wanken gerät und unmerklich allmählich wieder verschwindet. Deswegen ist es wichtig, dass du genau definierst, wann welche Ausnahmen zulässig sind. Das schafft eine klare Verbindlichkeit, mit der du dir selbst dein Vorhaben erleichterst. Wer jedes Mal neu entscheidet, vergeudet viel Energie. Undefinierte Ausnahmen führen schnell dazu, dass ich jedes Mal von vorn überlege, ob ich heute jogge oder vielleicht doch lieber erst morgen wieder.

Triff eine klare Entscheidung

Zum vorherigen Absatz passt, dass es oft an einer echten, klaren Entscheidung fehlt. Mir begegnen häufig lauwarme Aussagen, wie etwa: „Man könnte ja mal versuchen…“. Dann weiß ich schon, dass nichts passiert. Deswegen bin ich ein großer Fan von Maßnahmen, wie dem Vertrag mit mir selbst.

Die Dringlichkeitsfalle

Viele gute Vorsätze scheitern auch daran, dass sie im Grunde nie dringend sind. Es wäre schön, mich gesünder zu ernähren oder mehr Sport zu treiben oder die Seminarinhalte auch mal umzusetzen oder … Es wäre vielleicht sogar wichtig, dass ich es tue. Aber solange mich keine Krise aus der Bahn wirft und zum Umdenken zwingt, geht es eben auch ohne (siehe dazu auch meinen Artikel zum Eisenhower-Prinzip.) Dagegen helfen feste Termine, ein klares Nein gegen alle dringlichen Verdränger und eine ausgesprochen attraktive Vision davon, was mir die Umsetzung des Vorsatzes bringt.

Der Traum auf dem Sofa

Manche Vorhaben, insbesondere größere, bleiben auch einfach in der Traumphase stecken. Du siehst vor deinem geistigen Auge schon, wie du mit dem Motorrad durch die weite Landschaft von Südamerika braust, träumst von der Selbstständigkeit, vom ersten eigenen Roman, vom Leben in Australien oder Neuseeland, davon endlich wieder zu Malen oder anders kreativ zu sein. Doch du bleibst in dieser Traumphase stecken, träumst diesen Traum gemütlich auf dem Sofa sitzend oder liegend.

Wenn uns die Angst ausbremst

Oft steckt Angst dahinter: Den meisten Menschen geht es so, wenn sie ihren großen Traum träumen, dass sie davor zurückschrecken, vom Träumen zur Tat zu schreiten. Solange ich den Traum träumen kann, riskiere ich nichts. Riskiere nicht, dass es nicht klappt, nicht dass unvorhergesehene Hindernisse auftreten, nicht dass ich womöglich doch nicht gut genug bin, nicht dass ich mich womöglich blamiere, dass es Menschen gibt, die das, was ich tue, nicht so gut finden, mich womöglich sogar blöd finden.

Die Scheu vor dem Risiko

Das menschliche Gehirn ist so strukturiert, dass unsere Scheu vor dem Risiko sehr viel spürbarer ist, als die Lust auf das Neue. Dagegen helfen große Visionen und starke Emotionen beim Entwickeln von Visionen. Und wenn dann die große Vision zugkräftig genug ist, braucht es Pläne, kleine gangbare Schritte und Mut. Mutig wirst du dadurch, dass du lernst, liebevoll mit dir selbst umzugehen und vermeintliches Scheitern als Wachstumsschritt zu sehen.

Fazit: Wenn du dich vom Handlungszwerg zum Handlungsriesen entwickeln möchtest, dann brauchst du Struktur, Mut und die Bereitschaft in kleinen Schritten neue positive Gewohnheiten zu entwickeln.

 Die Autorin: Ingrid Huttary, Coach für Selbstwirksamkeit und Lebensfreude

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3 Antworten

  1. Sabine sagt:

    Liebe Ingrid! Danke für Timing und Thema – passgenau, ebenso das starke Bild vom Handlungszwerg. I got it!

  2. Gina Billy sagt:

    Liebe Ingrid! Dieser Post ist großartig – und perfekt für mich „getimet.“ Dank, dank, danke! Ich freu mich, dass wir uns bald wieder sehen werden, und vorab: ich bin fleißig dabei mit dem 1. Roman. Es dauert alles sehr viel länger, als ich mir das vorgestellt habe, aber der Prozess lehrt mich viel, und ich denke, bereichert die Arbeit dran. Bis bald – und kalo taxidi! Gina

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